Gesellschaft im Niedergang

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04-05-21 02:07:00,

Eine Gesellschaft, in welcher ein jeder den Nächsten fürchtet, in ihm eine Gefahr sieht, ist eine Gesellschaft, die auf das Ende einer menschlichen Kultur zusteuert. Hans-Joachim Maaz fand auf der Bühne für den derzeitigen Wahnsinn sehr klare und eindringliche Worte.

Der in seinen Interviews sonst immer sehr ruhige und gelassene Psychoanalytiker redete sich auf dem Podium beinahe schon in Rage. Sein „Forschungsgegenstand“ — die Normopathie unserer Gesellschaft — war in der neuen Normalität regelrecht zum Leben erwacht, während er zuvor lediglich unter der dünnen Decke der Zivilisation geschwelt hatte. Sich immer wieder an den Kopf fassend teilte er den Anwesenden mit, dass er es schlicht nicht begreife, wie ein solcher Irrsinn sich erneut Bahn brechen könne, dass Maßnahmen, die in ihrer Absurdität kaum zu überbieten seien, tatsächlich zur Realpolitik würden.

Gewisse Wesensmäßigkeiten der Deutschen würden sich durch die Geschichte wie ein roter Faden ziehen, wobei sich das äußere Gewand zwar ändere, die massenpsychologische Dynamik aber die gleiche bliebe. Es werde wieder denunziert, ausgegrenzt, im Gleichschritt gegangen und einem vermeintlichen Heil — der Impfung — entgegengefiebert.

Derzeit würde die Gesellschaft auf einer Symptomebene streiten. Derzeit drehe sich alles darum, wer, wann und wo welchen Impfstoff bekommt. Darüber, was man mit Andersdenkenden zu machen habe. Doch niemand redet über den Kern: Wir haben eine Gesellschaftskrise!

Maaz war trotz des Veranstaltungsnamens nicht daran gelegen, beim Publikum falsche Hoffnungen zu wecken. Eine solch gravierende, kollektive Traumatisierung lasse sich nicht einfach nach wenigen Monaten ausbügeln. Selbst wenn der Corona-Irrsinn eines Tages enden sollte, so wäre erneut das zu beobachten, was man bereits nach dem Dritten Reich und nach der Wende beobachten konnte: das Wendehalssyndrom.

Es beschreibt die Menschen, die nach dem Ende eines gewissen Dogmas diametral zu ihren vor Kurzem noch gültigen Überzeugungen handeln, ganz so, als hätten sie all ihre Schandtaten in der Vergangenheit gar nicht verbrochen. Sich derer gewahr zu werden, würde ja bedeuten, sich mit der eigenen Schuld auseinanderzusetzen. Stattdessen würden sich diese Menschen normopathisch schlicht einem neuen System zuwenden. Wohl aber gab Maaz — der die gesamte Zeit der DDR durchlebt hatte — den Versammelten Rat, wie man in totalitären Systemen überlebt.

Es bedürfe des Wechselspiels zwischen Anpassung und Subversion. Das bedeutet, sich dort anzupassen, wo man nicht anders kann, aber da Widerstand zu leisten, wo es möglich und notwendig ist.

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