Der Intensivbetten-Skandal

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06-05-21 01:41:00,

Die Lage in den Gesundheitseinrichtungen und speziell auf den Intensivstationen ist immer dann ein zentrales Argument der Politik, wenn es um weitere Maßnahmen zur Einschränkung der Grundrechte und der persönlichen Freiheiten der Bürger geht. Auch Mitte April 2021, zum Auftakt der Debatte über die geplante Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes, warnte die deutsche Bundeskanzlerin eindringlich vor einer drohenden Überforderung des Gesundheitssystems.

Die Lage sei „ernst, und zwar sehr ernst“, sagte Angela Merkel bei dieser Gelegenheit. Begründet wurde die Aussage unter anderem mit der gegenwärtig hohen Zahl belegter Intensivbetten. Die Intensivmediziner sendeten aus diesem Grund „einen Hilferuf nach dem anderen“, fügte Merkel hinzu, um danach direkt ins Plenum des Deutschen Bundestages zu fragen: „Wer sind wir denn, wenn wir diese Notrufe überhören würden?” (1).

Tatsächlich hatten sich in den Tagen vor der Bundestagssitzung einige Intensivmediziner mahnend zu Wort gemeldet. So sagte Gernot Marx, Präsident der Intensivmediziner in Deutschland, dass die Lage „wirklich sehr dramatisch“ sei. Bald schon könnten bundesweit alle Intensivbetten belegt sein. Wenn nicht sofort gehandelt würde, wäre in Deutschland sogar auch eine Triage denkbar (2).

Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis, Leiter des Intensivregisters (DIVI), richtete einen eindringlichen Appell an die Politik und schrieb: „Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen, bevor Ihr reagieren wollt.“ In mehreren Städten gäbe es auf den Intensivstationen kaum noch freie Betten. Der Virologe Christian Drosten leitete den Text des Intensivmediziners mit dem Kommentar „Dies ist ein Notruf“ an seine über 700.000 Follower bei Twitter weiter. Wenn sich der derzeitige Trend fortsetze, „sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt“, sagte Karagiannidis auch kürzlich wieder. Nur ein harter und konsequent durchgeführter Lockdown könne die Patientenzahlen nach unten bringen (3).

Doch es meldeten sich auch andere Stimmen zu Wort, und es wäre gut, wenn diese von der Politik sowie in den Medien mehr Berücksichtigung finden würden. So sagte der Intensivmediziner Tobias Welte, dass „er die Panik, die in der Republik herrsche, nicht zusammenbringen (könne) mit dem, was er in seiner Klinik erlebe“. Auch bewege sich die Belegung auf seiner Intensivstation mit Covid-19-Patienten durchaus „in einem Rahmen, den man bewältigen“ könne. Dabei habe er manchmal sogar „das Gefühl, dass versucht werde, die Bevölkerung so sehr wie möglich in Alarmstellung zu versetzen“.

Außerdem sei es „unverhältnismäßig, wenn wir so tun, als stünde unser Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch.

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