„Putins Koch“, Laschet-Bashing, „Impf-Turbo“: Die Welt von ARD-„Kontraste“

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07-05-21 02:00:00,

Wer drei der aktuell dominierenden Stränge der Meinungsmache auf engstem Raum erleben wollte, musste gestern nur das ARD-Magazin einschalten. Von Tobias Riegel.

Einen komprimierten Überblick über momentan bestimmende Themen einer fragwürdigen Berichterstattung in zahlreichen großen Medien lieferte die letzte Ausgabe von „Kontraste“. Es sind darum nicht nur die fragwürdigen Macharten der einzelnen Beiträge, die irritieren, es ist auch die Zusammenstellung. Die kommt einer simplen Verstärkung ohnehin fest etablierter „Narrative“ gleich.

„Putins Koch“

Dass Kontakte nach Russland von vielen deutschen Medien in die Nähe von „Feindkontakten“ gerückt werden, ist nichts Neues. In den letzten Tagen wurde diese Linie nochmals verschärft, auch befeuert durch die politisch-offiziellen Äußerungen vom G7-Gipfel, die Russland „bösartige Aktivitäten“ vorwerfen. Dementsprechend überraschte es nicht, dass auch der aktuelle „Kontraste“-Bericht über deutsch-russische Kontakte („Putins Koch“) aufgemacht war wie der Bericht über einen Kriminalfall: mit Thriller-Piano als Untermalung und gehalten in einem raunenden und „investigativen“ Grundton.

Dass Russland – wie zahlreiche andere Länder auch – versucht, Beziehungen zu wichtigen Persönlichkeiten in Deutschland aufzubauen, ist so selbstverständlich wie unbestritten. Allein die Darstellung dieses offensichtlichen Faktes als Sensation kann bereits als Meinungsmache bezeichnet werden. Die Frage sollte darum nicht sein, ob es diese Kontaktaufnahmen gibt, sondern: Sind diese Beziehungen und Kontakte (im Fall des „Kontraste“-Berichts etwa zu Bundestagsabgeordneten aus vier Parteien) in deutschem Interesse? Und wenn nein: Werden sie verschleiert? Die erste Frage kann mit „ja“ beantwortet werden, die zweite (zumindest im konkreten Fall) mit „nein“. „Kontraste“ versucht aber den gegenteiligen Eindruck bei beiden Fragen zu vermitteln.

Dass die ganze angestrengte Inszenierung des Beitrags als investigative „Aufdeckung“ ein bisschen lächerlich und selbstbeweihräuchernd erscheint – geschenkt. Nebenbei drängt sich aber auch hier die schon oft gestellte Frage auf, warum fürstlich ausgestattete öffentlich-rechtliche Sender immer wieder „Recherche-Gemeinschaften“ mit Privatmedien eingehen müssen, in diesem Fall mit der „Zeit“. Ist die eigene, vom Bürger bezahlte Man- und Brain-Power also nicht einmal für solch dünne antirussische Meinungsmache ausreichend, wie sie der besprochene Beitrag anstrebt?

Endgültig widersprüchlich wird der privat-öffentlich-rechtliche Bericht dadurch, dass ausgerechnet ein Experte vom „German Marshall Fund Of The United States“ angesichts der russischen Kontakte mit deutschen Parlamentariern vor ausländischer Einmischung warnen darf. Zustimmen kann man dagegen einer Äußerung eines der „Beschuldigten“ im Beitrag (des Bundesverbands für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft): Man könne nicht alle seine Kontakte von der Gewährung einer „transatlantischen Akzeptanz“ abhängig machen.

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