Mit messianischem Eifer gegen „Satanswerk“

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09-05-21 01:06:00,

Philippinen: Das Regime von Rodrigo R. Duterte versagte bei der Covid-19-Pandemiebekämpfung auf ganzer Linie. Nun lässt es seine militärischen Kettenhunde selbst gegen jene los, die sich in Eigenregie zu helfen wissen. Von Rainer Werning.

Anfang April ereignete sich in General Trias, einer Stadt in der südlich von Manila gelegenen Provinz Cavite, ein Aufsehen erregender Fall. Dort war u.a. der 28-jährige Darren Manaog Peñaredondo von lokalen Polizeikräften aufgegriffen worden, als er trotz bestehender Ausgangssperre für sich und seine Familie Wasser holen wollte. Zur „Strafe“ wurden Peñaredondo und andere Quarantäne-Verletzer von den diensthabenden Polizisten gezwungen, insgesamt 300 Liegestütze und Kniebeugen zu absolvieren. Der Cousin des Opfers, Adrian Luceña, sagte später gegenüber Reportern, Darren, der ein Herzleiden hatte, war nach seiner Rückkehr kaum in der Lage zu gehen. Er taumelte, konnte keine Treppen mehr steigen, brach zusammen und sein Gesicht färbte sich violett. Trotz mehrerer Versuche, ihn wiederzubeleben, verstarb er am übernächsten Tag.

Ebenfalls Anfang April kritisierte Human Rights Watch, dass Quarantäne-Regelbrecher während einer der weltweit harschesten und am längsten andauernden Lockdowns von der Polizei und lokalen Beamten in der Provinz Laguna, auch südlich von Manila gelegen, in Hundekäfige eingesperrt und andere gezwungen wurden, in brütender Mittagshitze auszuharren. Für das Regime sind diese Menschen „Kriminelle“ und „Schwerverbrecher“, die genauso martialisch gejagt werden wie „Drogenabhängige“ und „Kommunisten“. Bei selbst harmlosen Verstößen gegen die strikten Quarantäne-Verordnungen gilt der unmissverständliche Befehl Dutertes an „seine Soldaten“ und „seine Polizisten“: „Wenn es Ärger gibt oder zur Gewalt kommt und euer Leben in Gefahr ist, dann schießt sie tot.“ Er, der Präsident, decke ein solches Verhalten und stehe notfalls dafür gerade. Wie selbstherrliche Warlords patrouillieren heute bis buchstäblich an die Zähne bewaffnete Polizisten und Soldaten in den zahlreichen Armenvierteln auf dem Archipel. Gleichzeitig dienen sie als makabre Kulissen solcher Dokumentarfilme und Reportagen wie On the President’s Order (2019) und Dutertes Methoden im Schatten des Virus (2020).

Staatsversagen

Und dann das! Mitte April ging plötzlich aus Sicht der antikommunistischen Betonmischer und Hardliner innerhalb der philippinischen Streitkräfte (AFP) ein neues bösartiges kommunistisches Gespenst im Lande um – das Gespenst der sogenannten „community pantries“. Da hatte es doch glatt die 26-jährige Ana Patricia Non gewagt, als erste Person im Großraum Manila einen Bambuskarren mit Lebensmitteln öffentlich aufzustellen und diese an die Ärmsten der Armen kostenlos zu verteilen.

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