Russland und die EU: In den Schützengräben

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12-05-21 07:54:00,

Der Journalist Hubert Seipel kann in seinem Buch „Putins Macht – Warum Europa Russland braucht“ mit Insiderkenntnissen und einem globalen Blick überzeugen. Seipel stellt wichtige Fragen: Wie war das mit der angeblichen russischen Unterstützung für Trump? Was geschah in der Ukraine? Wieso ist Europa so tief gespalten? Warum setzt Merkel die Beziehungen zu Russland aufs Spiel? Eine Rezension von Irmtraud Gutschke.

Getreu dem bekannten Bild mit Marx, Engels, Lenin sind auf dem Umschlag dieses Buches Merkel, Macron und Putin zusammenmontiert. Als ob „Putins Macht“ in solcher Dreieinigkeit bestünde. Dabei scheinen im Gegenteil die Beziehungen zwischen der EU und Russland auf einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Russland im Allgemeinen und sein Präsident insbesondere sind medial in einem Maße dämonisiert, dass sich auf dieser Klaviatur der Gefühle wirkmächtig spielen lässt. Insofern suggeriert der Titel „Putins Macht“, marketingtechnisch geschickt, sogar etwas, das der Autor gar nicht ausdrücken wollte: eine Stärke, vor der man sich fürchten soll.

„Kaum jemand kennt die russische Politik und Wladimir Putin so gut wie Hubert Seipel“, wirbt der Verlag im Klappentext. Nach seinen Jahren bei „Stern“ und „Spiegel“ hat sich der inzwischen 71-Jährige als investigativer Fernsehreporter einen Namen gemacht. 2011 und 2012 konnte er als erster westlicher Journalist über Monate Wladimir Putin begleiten. Auf ARD, NDR, MDR, rbb und Servus TV wurde 2012 sein Film „Ich, Putin – ein Porträt“ gesendet. 2015 erschien sein Bestseller „Putin. Innenansichten der Macht“. Er hat das weltweit erste Fernsehinterview mit Edward Snowden geführt, zu brisanten Themen wie China, Afghanistan, Syrien ebenso recherchiert wie zur Bankenrettung, dem NSA-Skandal. … Aus einem weiten geopolitischen Horizont heraus genau zu argumentieren und packend zu formulieren – zu dieser seiner Stärke kommt hier hinzu, dass er das Vertrauen des russischen Präsidenten gewann und behielt. Womöglich hat Angela Merkel öfter mit Putin telefoniert, als wir wissen, aber Hubert Seipel saß mit ihm am 6. Januar 2020 im Flugzeug nach Syrien, wo ein Treffen mit Baschar al-Assad verabredet war. Am Abend zuvor, nach dem traditionellen Weihnachtsgottesdienst in St. Petersburg, hatte der Präsident ihn kurzfristig eingeladen, ihn zu begleiten, sodass er danach mit ihm über Syrien und Irak sprechen konnte. Die russische Maschine flog weiter nach Ankara zu einem Treffen mit Erdogan. Keinen ausländischen Politiker habe Putin in den vergangenen zwölf Monaten häufiger getroffen als ihn, heißt es. Und was mir schon nicht mehr klar war: dass es,

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