Wohlergehen statt Wohlstand

wohlergehen-statt-wohlstand

13-05-21 11:26:00,

Wohlfahrt und Wohlstand kann man messen — am einfachsten in Geldbeträgen, die sich zählen und statistisch erfassen lassen: Umsätze, Bilanzen, Wachstum … Unsere Wirtschaft lebt davon. Wehe, es ist kein Zuwachs zu verbuchen, dann bricht Panik aus. Und wir alle machen mit: Wir kaufen und sammeln, dass die Schränke platzen und die Regale überlaufen. Wir sammeln sogar Kontakte, um damit anzugeben. Und mit alledem übertünchen wir unsere Kleinheit — auch vor uns selbst. Wir verhalten uns wie Verlierer, die mit aller Kraft doch noch das Blatt wenden wollen, um doch noch ein paar Punkte nach Hause bringen zu können.

Viel zu haben oder zu besitzen ist an sich aber nicht schlimm. Schlimm ist die Diskrepanz zwischen dem, was wir haben, und dem, was wir sind. Wir haben mehr, als wir eigentlich sind. In der Welt des Habens sind wir großartig — nicht: einzigartig —, wer aber sind wir in der Welt des Seins? Sind wir ehrlich, und können andere uns vertrauen? Sind wir zuverlässig? Können unsere Nächsten und unsere Freunde auf uns zählen?

Geld verdirbt den Charakter, Wohlstand ebenso. In Zeiten des Wohlstandes lässt die Solidarität zwischen Menschen nach. Mit dem Wohlstand ist auch das soziale Elend gewachsen.

Was ist dabei schwierig für mich — und warum?

Wohlergehen bedeutet etwas ganz anderes als Wohlstand. Wohlergehen bezieht sich darauf, dass wir uns gesundheitlich, in unserer Arbeit und in unseren Beziehungen wohlfühlen. Dann ist das Leben rund. Geht‘s besser?

Wohlergehen heißt auch, in Harmonie zu leben — vor allem mit uns selbst. Harmonie im Außen kann nur entstehen, wenn es auch in uns Harmonie gibt. Harmonie bedeutet ein Leben in Übereinstimmung: Dass wir sagen, was wir denken, und tun, was wir sagen; dass wir mit unserem Gewissen in Frieden leben und seinen leichten Mahnungen nachgeben, wenn wir einmal zu ichbetont waren.

Es gibt aber auch schwierige Zeiten im Leben. Wenn es uns dabei dann trotzdem gut geht, verdanken wir das einem Zustand von innerer Akzeptanz. Bei älteren Menschen ist mit Wohlergehen auch gemeint, aus den Erfahrungen des Lebens die nötigen Lektionen zu lernen und daraus Weisheit und innere Zufriedenheit zu entwickeln — trotz der Probleme und der sozialen Einsamkeit, die es vielleicht an der Außenseite gibt. Dann sprechen wir von innerem Reichtum, der auf eine ganz subtile Weise die Seele sättigt und sie unglaublich zufrieden macht.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: