Lithium: Das weisse Gold

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14-05-21 07:52:00,

Im Südwesten Spaniens soll künftig mitten in einem Naturpark Lithium abgebaut werden. Aber die AnwohnerInnen Santiago Márquez und Montaña Chaves leisten Widerstand gegen die Bauriesen und deren Minenprojekt.

Von Linda Osusky, Cáceres

Jede Menge Lithium: Mehr als ein Viertel der bekannten weltweiten Reserven befinden sich in der Salar de Atacama im Norden Chiles. Foto: Alamy

Unheimlich wirkt der langsam über der Sierra de la Mosca kreisende Schwarzgeierschwarm. Das Herz von NaturfreundInnen allerdings lässt er höherschlagen, denn er ist ein Hinweis auf eine stetig wachsende Population der bedrohten Vogelart. Ende Januar übergab die Zoologische Gesellschaft Extremaduras der Regionalregierung ihren Bericht über die jüngste Vogelbeobachtung. Neben den Schwarzgeiern haben in der Grünoase vor der Stadt Cáceres im Südwesten Spaniens ausserdem Uhus, Schwarzstörche und Kaiseradler ihr Zuhause gefunden. Für ZoologInnen ausreichend Gründe, die kleine Hügelkette zum Schutzgebiet zu erklären.

Doch anstatt dass dieses erhalten wird, könnte dort schon bald ein riesiger Krater aufklaffen. Denn im Herzen des Naturparks soll sich unter der Erde Europas zweitgrösstes Lithiumvorkommen befinden. Nun will ein Joint Venture namens Tecnología Extremeña del Litio das begehrte Metall im Tagbau fördern und vor Ort zu batterietauglichem Lithiumhydroxid verarbeiten. Hinter dem sperrigen Namen stehen die australische Firma Infinity Lithium und der spanische Baukonzern Sacyr, der über seine Bergbautochter Valoriza Minería am Projekt beteiligt ist.

Keinen Kilometer von der geplanten Abbaustelle entfernt befinden sich bereits die ersten Wohnhäuser. Der Wallfahrtsort der Schutzpatronin von Cáceres, La Virgen de la Montaña, liegt nur 500 Meter weit weg. Und bis zur Altstadt, die als Unesco-Weltkulturerbe gelistet ist, sind es weniger als drei Kilometer.

Das Loch und die Stadt: Visualisierung der geplanten Lithiummine unmittelbar neben Cáceres, erstellt durch die BürgerInnenplattform Salvemos la Montaña auf Grundlage von Plänen der Firma Infinity Lithium.

«Mir ist weltweit keine Mine bekannt, die so nah an einer Stadt mit 100 000 Einwohnern liegt», sagt der Lehrer Santiago Márquez. Zusammen mit Montaña Chaves engagiert sich der 57-Jährige in der BürgerInnenplattform Salvemos la Montaña (Retten wir den Berg), die etwa achtzig aktive Mitglieder und rund 9000 UnterstützerInnen hat. Die beiden gehören zu den treibenden Kräften hinter der Initiative, die seit der Gründung im Sommer 2017 Informationsveranstaltungen und Kundgebungen organisiert.

«Was passiert nach 25 Jahren, wenn alles ausgebeutet und das Land nicht mehr nutzbar sein wird?»,

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