Der Gleichklang und das Narrativ – Wie Medien Auslandskonflikte strukturieren. Das Beispiel Maidan

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15-05-21 01:11:00,

Proteste, Krisen, Kriege: Konflikte in anderen Ländern werden von klassischen Medien nach immer wiederkehrenden Mustern präsentiert. Die hiesige Berichterstattung über die ukrainischen Maidanproteste 2013/14 löste nicht nur eine allgemeine „Vertrauenskrise“ bei deutschen Mediennutzern aus, sondern kann auch als Blaupause zur Erzeugung einer krass-selektiven Medienrealität gelten. Ein exklusiver Auszug aus dem neuen Sammelband „Macht. Wie die Meinung der Herrschenden zur herrschenden Meinung wird“.

STEFAN KORINTH, 14. Mai 2021, 0 Kommentare

Der Ukraine-Konflikt ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden – erst recht in der »Corona-Zeit«. Das ist unangebracht, denn die sowohl militärisch als auch politisch und ökonomisch ausgetragene Auseinandersetzung existiert nach wie vor und fordert viele Opfer. Sie ist für alle Weltmächte geopolitisch höchst relevant.

Gerade für die Menschen in Deutschland besitzt der Ukraine-Konflikt aber noch eine weitere wichtige Facette: Die Berichterstattung hierzulande über die Maidanproteste im Winter 2013/2014 und über die Folgeereignisse löste in Deutschland eine veritable Vertrauenskrise in die etablierten Medien aus, die bis heute vorhanden ist und sich eher noch verschärft hat. In bemerkenswertem Gleichklang wählten die führenden Medien in ihren Berichten vom Maidan fast ausschließlich die Ereignisse und Informationen aus, die die Protestbewegung in Kiew in einem guten und die damalige ukrainische Staatsführung in einem schlechten Licht erscheinen ließen.

Seinerzeit merkten aber viele Mediennutzer in Deutschland, dass ihnen hier bestenfalls die halbe Wahrheit präsentiert wurde. Der Journalismusforscher Uwe Krüger schrieb, der Ärger über die Ukraine-Berichterstattung sei zu einer »Fundamentalkritik« an den Medien angeschwollen, die in ganz verschiedenen gesellschaftlichen Milieus geteilt werde. (1) Der Journalist David Goeßmann bezeichnete die Maidan-Berichterstattung als einen »Tiefpunkt im deutschen Journalismus«. (2)

In den etablierten Medien wurde damals nur selten direkt gelogen, aber regelmäßig ein grob unvollständiges und damit falsches Gesamtbild des Konflikts vermittelt. (siehe diese zweiteilige Auflistung solcher Fehlleistungen: Teil1 , Teil 2) Das konnten vor allem die Mediennutzer feststellen, die ihre Informationen auch aus anderen Quellen als nur den großen Sendern und Zeitungen bezogen.

Die in den Leitmedien dominierenden Szenen waren zwar nicht gestellt – es gab sie ja wirklich, die blumenbekränzten Studentinnen, die betenden Priester und die prügelnden Polizisten auf den Straßen Kiews – aber die Bilder sind einseitig ausgewählt worden. Es gab eben auch die anderen Aufnahmen von den bewaffneten Nationalisten,

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