Das zweischneidige Schwert

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18-05-21 12:50:00,

In meinen Gedankengängen zum Hass bilden vier Elemente die Grundlage. Da ist zuerst einmal die Aggression: Unterschieden wird zwischen konstruktiver und destruktiver Aggression. Die konstruktive Aggression ist eine Energie, die wir nutzen, um uns für uns selber, für unsere Bedürfnisse und Interessen einzusetzen. Sie wird daher auch die Aggression im Dienste des Ich genannt. Wir können damit die Entwicklung des Ich, der Gesellschaft mitgestalten und schöpferisch an der Welt teilhaben. Ein Säugling schreit, wenn ihm etwas nicht passt — ein Ausdruck der konstruktiven Aggression. Er schadet damit niemanden, er tut sich kund, ist wirksam und verschafft sich Bedeutung.

In sexuellen Begriffen gedacht, sind die Penetration und das Aufnehmen dieser Kraft ein Ausdruck der Aggression im Dienste des Ich. Wir werden mit dieser Energie geboren, bereits die Geburt zeugt davon: Das Kind will raus. Diese Kraft dient unseren Wünschen und Bedürfnissen, unserem Begehren. Sie ist lebensbejahend und schadet niemandem.

Kommt dem Ich diese konstruktive Aggression abhanden, dann ist es beschädigt. Es ist ein ohnmächtiges Ich, das sich nicht mehr für sich selbst einsetzen kann, das der Eigenmächtigkeit entbehrt. Eines, das sich nicht mehr konstruktiv und lustvoll an der Gestaltung der Welt beteiligen kann. Ein Ich, das Angst hat.

Demgegenüber hat es die destruktive Aggression darauf abgesehen, zu zerstören. Menschen zu zerstören, Natur zu zerstören, Bindungen zu zerstören, destruktiv auf die Welt und auf alles einzuwirken, von dem der Mensch abhängig ist. Mit Blick auf diese Abhängigkeit müssen wir schlussfolgern, dass die destruktive Aggression immer auch das Ich selber beschädigt. Auch wenn sie als Schutzmaßnahme dargestellt wird wie zum Beispiel ein Krieg — gegen wen auch immer —, ist sie selbstschädigend.

Es ist ebenfalls eine destruktive Handlung, einem Menschen seine konstruktive Aggression zu nehmen. Ihn unter Druck egal welcher Art zu setzen, ihn in eine ausweglose Situation zu bringen und damit ohnmächtig zu machen, ihn zu foltern, ihn für seine Eigenständigkeit mit Ausgrenzung oder Liebesentzug zu bestrafen, ihn als Täter zu stigmatisieren — das alles sind aggressive Wege, um konstruktive Aggressionen zu vernichten und so Macht über den anderen zu erlangen. Rechtfertigen lässt sich das in keinem Fall. (…)

Ein weiteres wichtiges Element in meinen Betrachtungen ist die intersubjektive Beziehung. Darunter verstehe ich eine Beziehung ohne wertende Hierarchie. Eine Beziehung zwischen mindestens zwei Personen, die sich in ihrem Anderssein anerkennen. Sie nehmen ihr Gegenüber als eigenständiges Subjekt wahr und kommunizieren mit ihm auf Augenhöhe,

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