Trojaner als Milliardengeschäft (neues deutschland)

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20-05-21 09:25:00, Cyberangriff: Trojaner als Milliardengeschäft

Foto: dpa/AP/Ted Shaffrey

Öl fließt wieder in den Südosten der USA, nachdem der Pipelinebetreiber Colonial Berichten zufolge fünf Millionen Dollar zahlte, um einen wochenlangen Cyberangriff mit sogenannter Ransomware zu beenden. »Colonial wird so viel Benzin, Diesel und Kerosin transportieren, wie es sicher möglich ist, und wird dies auch weiterhin tun, bis sich die Märkte wieder normalisiert haben«, teilte das in Georgia ansässige Unternehmen mit. Man werde »Millionen von Gallonen pro Stunde an die Märkte« liefern.

Behörden zufolge steckt hinter der Attacke eine russische Hacker-Gang mit dem Namen Dark Side. Finanzielle Ziele scheinen ihr Motiv gewesen zu sein. »Wir sind unpolitisch, wir beteiligen uns nicht an der Geopolitik. Es ist nicht nötig, uns mit einer bestimmten Regierung in Verbindung zu bringen«, schrieb die Gruppe auf ihrem Blog. »Unser Ziel ist es, Geld zu verdienen, und nicht, Probleme für die Gesellschaft zu schaffen.«

Doch die gab es. Die Treibstoffengpässe, die nach dem Angriff am 7. Mai auftraten, machten deutlich, wie anfällig die kritische Infrastruktur der Vereinigten Staaten für Cyberbedrohungen ist. Autofahrer von Texas bis New Jersey standen stundenlang in Schlangen an Tankstellen – Szenen, die an die Ölkrise von 1973 erinnerten. Am Wochenende hatten mehr als 40 Prozent der Tankstellen in Georgia keinen Treibstoff mehr, wie auf der Webseite Gas-Buddy zu lesen war. Sogar fast 60 Prozent der Tankstellen in North Carolina hatten kein Benzin. Die Engpässe sorgten auch für deutliche Preissteigerungen. Experten erwarten, dass sich die Versorgung über die 8850 Kilometer lange Pipeline erst innerhalb einer Woche wieder normalisieren wird.

Ransomware ist ein Trojaner, der die Computer und Informationstechnologien von Regierungen, Unternehmen oder Einzelpersonen lahmlegt, indem die Daten verschlüsselt werden. Die Hacker verlangen dann für die Freigabe ein Lösegeld, oft in Form von Bitcoins oder einer anderen Kryptowährung. Die US-Regierung rät generell davon ab zu zahlen. Während Präsident Joe Biden die Reaktion von Colonial nicht kommentierte, deutete seine Sicherheitsberaterin Anne Neuberger an, es sei wohl unvermeidlich gewesen: »Wir erkennen an, dass Unternehmen oft in einer schwierigen Lage sind, wenn sie keine Backups haben und die Daten nicht wiederherstellen können.«

Das Thema Cybersicherheit hat die Politik schon oft beschäftigt. Ende vergangenen Jahres gaben die USA bekannt, dass Hacker eine populäre Software-Management-Anwendung namens Solar Wind benutzt hatten, um sich Zugang zu Servern des Heimatschutz-, des Finanzministeriums und anderer Behörden zu verschaffen.

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