Die Entbildung

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21-05-21 03:10:00,

Die Regierung veranlasste im April letzten Jahres die Umstellung des gesamten Erziehungssystems auf virtuellen Unterricht — natürlich mit der Begründung, die Gesundheit der Schüler und Lehrer schützen zu wollen —, um auf Plattformen wie Teams, Zoom oder WhatsApp den Unterricht zu bewerkstelligen. Voraussetzung des virtuellen Unterrichts ist Zugang zum Internet und natürlich Strom; etwas, worüber viele panamaische Familien nicht verfügen, ganz besonders in den indianischen Comarcas, das sind Reservate, sind Strom und Internet keine Selbstverständlichkeit.

Wenn es unter normalen Umständen schon schwierig war, indianische Kinder am Unterricht teilnehmen zu lassen — die indianischen Kinder leben meist sehr abgelegen in den Bergen und mussten daher oft bei jedem Wetter stundenlang laufen, um in die Schule zu kommen —, ist es seit der Corona-Krise für einen großen Teil der ärmeren Landbevölkerung schier unmöglich geworden, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Zwar hat die Regierung sogenannte Lernmodule für Kinder ohne Internetzugang zur Verfügung gestellt — komprimiertes Lernmaterial, welches die Kinder abarbeiten sollen —, jedoch ist es sehr schwer für Eltern, die den ganzen Tag hart in der Landwirtschaft arbeiten, auch noch ihre Kinder zu unterrichten, ganz besonders wenn viele von ihnen selbst ungebildet sind.

„Es ist sehr schwer, den indianischen Kindern das Lernmaterial zukommen zu lassen”, erzählt Leomaris Serracin, die in der Verwaltung der öffentlichen Schule Josefa Montero de Vasquez in Boquete arbeitet.

„Wir arbeiten virtuell mit den Plattformen WhatsApp und Teams, aber die Kinder, die keinen Zugang zum Internet haben, müssen einmal die Woche hier ins Dorf herunterkommen, um das Lernmaterial zu holen, und je nachdem, wie bedürftig die Familie ist, bekommen sie auch eine Tüte mit Lebensmitteln, und einmal die Woche bekommen alle Schüler kleine Milchpakete und Kekse, die sonst in der Schule zur Mittagspause verteilt wurden.“

In dieser Schule sind zurzeit rund 800 Schüler registriert, die in die erste bis neunte Klasse gehen. Die Schule wurde vor fünf Jahren komplett renoviert, zählt 20 gut ausgestattete Klassenräume — welche nun nicht mehr benutzt werden — und Gelände für Sport, ist zentral gelegen und vor allem kostenlos. Die Bildung dieser Kinder ist nun auf den virtuellen Unterricht, der oftmals kaum eine Stunde am Tag dauert, oder Lernmaterial ohne Lehrer reduziert.

„Überdurchschnittlich viele Schüler sind letztes Jahr sitzengeblieben, und viele sind gar nicht mehr in der Schule erschienen,

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