Schulfrei

schulfrei

21-05-21 03:11:00,

Zwischen allen Stühlen zu sitzen, mag zuweilen recht unbequem sein; manchmal ist es eine Rettung, wenn die Stühle sich als gefährliche Schleudersitze erweisen, welche in einer kritischen Lage die darauf Sitzenden in ein ungewisses Nichts befördern könnten.

Bisher war im Hinblick auf die Schule die Lage relativ klar polarisiert. Auf der einen Seite waren die mehrheitlichen Anhänger einer Beschulungsideologie; in der Verteidigung der Institution Schule gab es ein offensichtlich unverbrüchliches Einverständnis zwischen Schulbürokratie, Schulbehörden, „Kämpfern“ an der „pädagogischen Front“ der Schule einerseits und der Elternschaft andererseits.

Die unmittelbar Betroffenen, nämlich die zur Schülerschaft gemachten jungen Menschen, spielten hier keine Rolle, sie hatten sich bitte sehr der wohlmeinenden Zwangsbeglückung klaglos zu unterwerfen, sich zu fügen, sich gar dankbar daran zu erfreuen. Auf der anderen Seite wurden ein paar wenige Menschen wie „seltsame Vögel“ schief angeschaut, weil sie — aus welchen Gründen auch immer — die zwangsweise Beschulung ihres Nachwuchses ablehnten: Wollten sie wirklich die Zukunft der sogenannten Kinder gefährden, ihnen diese verbauen?

Hierbei fielen die guten Gründe für ein dermaßen widerspenstiges Verhalten kaum ins Gewicht: Für die Mehrheit der Menschen war es undenkbar, unvorstellbar, dass jungen Menschen ein unbedingter und bedingungsloser Respekt vor ihren Menschen- und Grundrechten zustünde und sie deshalb nicht zu Objekten staatlicher Zwangsmaßnahmen, zu „Zöglingen“ der allgemein als selbstverständlich betrachteten Erziehung erniedrigt werden dürften.

Nicht verschwiegen werden sollte allerdings eine dritte, in jenen Zeiten in Erscheinung tretende Gruppe, die gern benutzt wurde, um die schulische Normalität zu rechtfertigen und die Schulverweigernden zu diskreditieren: Insbesondere religiöse Gruppierungen wollten mit vor allem biblischen Motiven dem demokratischen Staat und seinen Schulbehörden Paroli bieten, indem sie der schlechten, ihren Nachwuchs verderbenden Institution Schule insbesondere die häusliche Beschulung entgegensetzten.

Um dies besser verkaufen zu können, wurde hierfür eine englische Vokabel eingeführt: „homeschooling“. Die in der Öffentlichkeit und in vielen Medien unterhaltene Verwechslung der religiösen — oder ideologischen — Eiferer und Vertreter von „homeschooling“ mit den zuvor beschriebenen Verweigerern setzte sich in der Justiz fort, weshalb es da wie dort zu Verurteilungen kam. Welch wahrlich folgenschwere Verwechslung!

Doch Corona — oder das, wofür es steht — hat 2020 alles verändert. Hinsichtlich des Schulwesens fand der zuvor für unmöglich gehaltene Bruch eines der wichtigsten Tabus der deutschen Gesellschaft statt: Plötzlich wurde der fast heilige Schulanwesenheitszwang aufgehoben. Wie viele Verfahren wurden ehedem eingeleitet, um dessen Erhaltung zu sichern,

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