Des Politmachos ramponiertes Image

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22-05-21 07:19:00,

In der tiefsten Krise ihres 75-jährigen Bestehens verfolgt die Republik der Philippinen unter Präsident Duterte einen außenpolitischen Kurs, der einen manifesten Streit innerhalb des Regimes auslöst und die Gesellschaft in Zeiten der Pandemie zusätzlich polarisiert. Von Rainer Werning.

Vorbemerkung

Den Beginn des Wonnemonats Mai hatte sich Rodrigo R. Duterte gewiss anders vorgestellt. Vor fünf Jahren fuhr „Digong“, wie die glühenden Anhänger und Trolls den Präsidenten gern nennen, einen fulminanten Wahlsieg ein und trat am 30. Juni 2016 als 16. Präsident der Republik der Philippinen offiziell sein Amt an. Und wie!

Bewusst wahrte er dabei jenes Image, das er zuvor während seiner über 20-jährigen Tätigkeit als Bürgermeister von Davao City, der größten (Hafen-)Stadt im Süden des Landes, zielstrebig gepflegt hatte. Nämlich als strammer „Saubermann“, der sich bevorzugt mit einem Kehrbesen oder einem Maschinengewehr im Anschlag ablichten ließ. Die so transportierte Botschaft in seinem Wahlkampf lautete denn auch klipp und klar: Er werde das „Gesindel der Trapos den Fischen in der Manila-Bucht zum Fraß vorwerfen“ und deren imperiale Herrschaft ebenso beenden wie die grassierende Korruption und ausufernde Drogensucht. „Trapos“ ist die im Lande gebräuchliche Bezeichnung für „traditionelle Politiker“. Aus dem Spanischen übersetzt bedeutet das Wort „Schmutz-“ oder „Schmierlappen“. Womit gleichzeitig und unmissverständlich klar wird, was das „gemeine Volk“ von seinen hoch- und höchstrangigen Vertretern in der Exekutive und Legislative hält. Ja, so Duterte noch kurz vor seinem Amtsantritt, er gedenke zudem als erster „Sozialist“ und „Antiimperialist“ in die Annalen der Geschichte seines Landes einzugehen.

„Dumme Kritiker“

„Wo ist unser Präsident?“, fragten sich verdutzt viele Filipinos, als Duterte im April über zwei Wochen lang nicht in der Öffentlichkeit auftauchte. Anfang des Monats dann meldete sich „Digong“ wieder zurück. Und zwar in einem Format, das der durch Krankheit gezeichnete Mann seit dem Jahreswechsel bevorzugt nutzt, um sich an seine Landsleute zu wenden – qua aufgezeichneter Fernsehsendungen, die meist allmontäglich abends ausgestrahlt werden.

Was der 76-jährige Präsident da am 3. und 10. Mai – inklusive einer kurzfristig angesetzten Sondersendung am 5. Mai – über TV kundtat, versetzte selbst engste Freunde in helle Aufregung – und ließ sie teils sprachlos zurück. „Ugok“ (wörtlich: „dumm“) schalt Duterte alle seine Kritiker, die es gewagt hatten, die zunehmende Präsenz chinesischer Schiffe in philippinischen Hoheitsgewässern als „Landesverrat“ zu bezeichnen. Ja, einer dieser Kritiker, der mittlerweile pensionierte Richter am Obersten Gerichtshof der Philippinen,

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