Kinder, Corona und der digitale Distanzunterricht – Keine Auswege aus der Bildungskatastrophe?

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23-05-21 08:42:00,

Die Situation, die die UNICEF Anfang März als „katastrophale Bildungskrise“ bezeichnet hat, hält an. Außerdem herrschen in der Diskussion um Kinder, Corona und den digitalen Distanzunterricht Irrtümer, Stereotype, Fehleinschätzungen und Verharmlosungen vor. Darum folgt hier ein notwendiges Postscriptum zum E-Learning in der Corona-Krise und seinen Folgen. Von Finn Jagow und Bernd Schoepe.

  • Einleitung

    1.1 Pädagogische Interpretation zum Kinder- und Jugend-Lockdown

    Am 21. März 2021 veröffentlichten wir – zuerst auf der Seite des GEW-Magazins Ansbach[«1] – unsere Studie, die wir mit drei Klassen des 11. Jahrgangs von zwei Hamburger Stadtteilschulen zu den Folgen des Distanzunterrichts im zweiten Schul-Lockdown durchgeführt haben. Zur schnellen Information haben wir die Kurzfassung unserer Studienergebnisse, die wir anschließend als Pressemitteilung geschrieben haben, als Anhang dem hier vorliegenden Folgetext hinzugefügt.

    Wir sahen uns vor allem aus zwei Gründen genötigt, der Auswertung der Untersuchungsergebnisse zur Lage unserer Schüler:innen eine Fortsetzung folgen zu lassen. Erstens befinden wir uns inzwischen im fünften Monat des Schul-Lockdowns, von dem in Hamburg wie auch in anderen Bundesländern, immer noch eine große Zahl von Schüler:innen (in Hamburg die meisten) betroffen sind. D.h., die Situation, die die UNICEF Anfang März als „katastrophale Bildungskrise“[«2] bezeichnet hat, hält an. Darauf mussten wir reagieren. Zweitens ist uns seitdem noch klarer zu Bewusstsein gekommen, dass in der Diskussion um Kinder[«3], Corona und den digitalen Distanzunterricht bzw. das E-Learning im Schul-Lockdown Stereotype, Verharmlosungen, ein teilweise erschreckender Mangel an Problemsensibilität und viele Irrtümer und Fehleinschätzungen vorherrschen. Gemeinsam führt all dies weiterhin dazu, dass durch eine von uns zunehmend als bedrückend wahrgenommene „Verhinderungskoalition“, die im Panik-Modus agiert, versäumt wird, dass in der Gesellschaft und vor allem in der Politik endlich Auswege aus der Bildungskatastrophe aufgezeigt werden. Diese sind, wie wir zeigen werden, nötiger denn je. Insofern ist der Text auch zu lesen als ein Hilferuf zweier extrem besorgter Pädagogen.

    Nachdem im Januar unsere Beobachtung des Kurses in der Coronapolitik und der getroffenen sowie diskutierten Maßnahmen ergab, dass mit größerer Ungewissheit bezüglich der Schließungsdauer der Schulen gerechnet werden muss, entstand die Idee, Näheres über die Lage in Erfahrung zu bringen, in der sich unsere Schüler:innen seit Mitte Dezember befinden. Inzwischen sind wir, wie nicht oft genug wiederholt werden kann, im fünften (!) Monat des Schul-Lockdowns, von dem in Hamburg immer noch die meisten Schüler:innen zur Gänze betroffen sind.

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