Wie Westafrikaner zu Datensklaven des Silicon Valley gemacht werden – Geld und mehr

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24-05-21 07:59:00,

21. 05. 2021 | Mit dem Geld der Weltbank entwickelt eine „wohltätige“ Organisation aus dem Silicon Valley Algorithmen, die auf Basis der Handynutzung darüber entscheiden, wer im westafrikansichen Togo Sozialhilfe bekommt und wer nicht. Das ist auf so vielen Ebenen abstoßend und perfide, dass man kaum weiß, wo anfangen.

Die Weltbank zitiert in ihrem Beitrag zu dem Programm glückliche Empfänger von mobiler Sozialhilfe, die sinngemäß sagen, dass sie ohne dieses Geld vielleicht verhungert wären. Wer kann dagegen schon sein.

Dreht man es um, sieht es anders aus. Den glücklichen Empfängern, die interviewt werden, stehen die vielen Namenlosen gegenüber, die die künstliche Intelligenz nicht ausgesucht hat, weil ihr irgend etwas an der Mobiltelefonnutzung oder Nichtnutzung einer betreffenden Person den Schluss nahegelegt hat, dass diese nicht zu den Allerbedürftigsten gehört. Diese verhungert dann halt, ohne dass sie von jemand interviewt wird. Arm stirbt leicht, heißt es.

In den USA oder Europa würde man der Weltbank ganz schön was husten, wenn sie wagen würde vorzuschlagen, dass ein Computerprogramm in dieser Art über Leben und Tot, Rettung oder Elend entscheiden soll.

Die Weltbank arbeitet dafür mit der Regierung von Togo und der wohltätigen Silicon Valley Organisation GiveDirectly zusammen. Über eine Plattform namens Novissi wird per Mobiltelefon Geld an ausgewählte Bedürftige überweisen, das GiveDirectly von Spendern einsammelt. Und das geht so:

Die ärmsten Nachbarschaften werden durch hochauflösende Satellitenbilder und national repräsentative Daten zum Haushaltskonsum ausgewählt. Innerhalb dieser Dörfer und Nachbarschaften werden durch Algorithmen des maschinellen Lernens unter Nutzung von Mobilfunk-Metadaten und Telefonumfragen Individuen priorisiert.“

Die Algorithmen würden darauf trainiert, anhand von Daten über die Nutzung des privaten Mobiltelefons zu schätzen, wie viel Geld ein Individuum für Konsum zur Verfügung hat. Das werde für 5,7 Millionen Menschen, 70% der Bevölkerung, durchexerziert. Die ersten gut 50.000 Menschen sind auf diese Weise bereits programmgesteuert auf die Liste der Empfänger gesetzt worden.

Dass das allenfalls ganz grob funktioniert, weiß man auch bei der Weltbank. Deshalb will man in diesem Jahr mehrere Telefon- und persönliche Umfragen durchführen, „um das Training des Modells zu stärken“, damit ein unabsichtlicher Bias gegen besonders benachteiligte Gruppen, „wie zum Beispiel Analphabeten“ gegebenenfalls aufgedeckt wird.

Mir stockt der Atem, wenn ich lese, mit welcher Kaltschnäutzigekeit und Hartherzigkeit hier Menschen als Versuchskaninchen zur Optimierung von Computerprogrammen missbraucht werden.

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