Heimkehr in die Fremde

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29-05-21 12:33:00,

Nachdem ich ein paar Jahre in Spanien verbracht hatte, zog ich vor 22 Jahren aus meiner norddeutschen Heimat nach Frankreich. Ich hatte keine Arbeit, keine Wohnung, keine Kontakte, wenig Geld und viele Ideale. Ich war schwer verliebt in das Land und in einen mittellosen Opernsänger und hatte keine Ahnung, wo, wie und vor allem wovon ich leben sollte. Mein eigener Weg ist ein Beispiel dafür, dass es möglich ist, aus einem romantischen Impuls heraus in einem anderen Land Heimat zu finden.

Es wirkt eine schützende Kraft in denen, die sich auf den Weg machen im vollen Vertrauen darauf, das Richtige zu tun. Auf oft wundersame Weise fügen sich die Dinge und wir werden auch dort fündig, wo wir es nie vermutet hätten. Wer sein Wollen, sein Sehnen, sein Denken und sein Handeln übereinbringt, dem wachsen wahrhaftig Flügel. So habe ich es erlebt — obwohl ich einige Bruchlandungen und schmerzhafte Erfahrungen hinter mir habe (1).

Auswandern war für mich mit dem Wunsch verbunden, mich in meine Wahlheimat zu integrieren. Dazu gehört die Bereitschaft, sich innerlich auf das neue Milieu einzustellen und sich mit Neugierde und Wohlwollen für die Menschen vor Ort zu öffnen. Für das gegenseitige Kennenlernen sind Sprachkenntnisse absolut notwendig. Zwar habe ich in meiner Zeit im Ausland auch deutsche Freundschaften gefunden, doch ich habe sie nie gesucht. Ich wollte nicht in einer Art Club leben, in dem man „unter sich“ ist.

Viele Franzosen machen zu besten Bedingungen Karriere und Urlaub in ihren ehemaligen Kolonien. Bis heute weht hier ein Hauch der Überlegenheit, der viele davon abhält, sich wirklich aufeinander einzulassen. Für den Aufbau einer harmonischeren und gerechteren Welt, wie ich sie mir vorstelle, sind die Kolonialherrenmanieren vieler Expats für mich ebenso undenkbar wie Massentourismus, Freizeitressorts und Vergnügungsparks. Es erscheint mir als eine Form der Entfremdung und der Missachtung des einheimischen Lebens, sich irgendwo anzusiedeln, weil alles so schön billig ist und die Sonne scheint.

Ich stelle mich entschieden gegen jede Art von Ausbeutung und finde das Argument, dass „die ja ohne die Serviceleistungen gar nicht leben könnten“ geradezu ekelerregend. Es ist kein Zeichen von Menschlichkeit, sich für wenig Geld von anderen bedienen zu lassen. So ist es auch in der Auswanderungsfrage für mich wichtig, dass sich nicht Privilegierte und Unprivilegierte gegenüberstehen. In diesem Sinne widerstrebt mir jede Art von Gated Community,

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