Renaissance der Menschlichkeit | Von Margit Geilenbrügge | KenFM.de

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29-05-21 01:57:00,

Wenn wir uns in dieser auf uns besinnen, geben wir dem gesellschaftlichen Ganzen neue Entwicklungsimpulse.

Damit uns dies gelingt, müssen wir zurück in die Vergangenheit. So wie man sich zur Zeit der Renaissance auf das antike Erbe, auf die Vernunft und die Humanitas, das dem Menschen Gemäße besann, so müssen auch wir zurück zu dem uralten Satz, dem göttlichen Rat, der sich den Pilgern im antiken Griechenland darbot, wenn sie den Apollontempel in Delphi betraten: „Gnṓthi seautón!“, „Erkenne Dich selbst!“

Unser innerstes Selbst ist das Schlachtfeld, der Kampfplatz, auf dem sich unsere Zukunft entscheidet. Hier erleben wir gerade den Angriff auf unser Menschsein, auf unsere Selbstbestimmung, unser Verbundensein und unsere Würde. Wir sollen umerzogen werden zu gehorsamen Untertanen, die nicht selbst denken, keine kritischen Fragen stellen, sondern sich fügsam den Herrschenden unterordnen, sich willig ihren Maßnahmen unterziehen.

Damit unsere stärkste Waffe, unsere Menschlichkeit, eine Chance hat, müssen wir bereit sein, den Weg der Selbsterkenntnis und Selbstentfaltung zu gehen. Wir müssen im psychologischen Sinne erwachsen werden und Verantwortung für uns selbst und für einander übernehmen. Dazu ist es nötig, unseren „Schatten“, die seelischen Verletzungen aus Kindertagen, aufzuspüren und aufzulösen. Denn er trübt unser Bewusstsein und hindert uns an der vollen Menschwerdung. Wann, wenn nicht jetzt, wäre die Zeit dafür, mit unserem Leben ernst zu machen, die Wiedergeburt unsere Menschlichkeit einzuleiten und so der Menschheit eine neue Chance zu geben?

Die Träume von einer friedlicheren und gerechteren Welt, in der sich alle Menschen frei und selbstbestimmt entfalten können, sind in weite Ferne gerückt. Wir stehen vor dem Scherbenhaufen unserer Zivilisation. Demokratie und Rechtsstaat, die Bollwerke gegen Totalitarismus und Diktatur, zerbröckeln vor unseren Augen. Wie konnte das alles passieren? Wie sind wir da reingerutscht?

Die Demokratieillusion

Lange haben wir geglaubt, Demokratie und Kapitalismus wären miteinander vereinbar. Für eine kurze Zeit in der Geschichte der Bundesrepublik sah es ja auch so aus, als könnte das ungleiche Machtverhältnis zwischen Kapitalbesitzern und lohnabhängig Beschäftigen in eine bessere Balance gebracht werden. Denn in der Zeit des Nachkriegsbooms konnten starke Gewerkschaften höhere Löhne, mehr Mitbestimmung und mehr sozialstaatliche Leistungen durchsetzen. Auch die Demokratie schien Ende der 1960er-Jahre aufzublühen und der neugewählte Bundeskanzler Willy Brandt traute sich den legendären Satz sagen: „Wir wollen mehr Demokratie wagen!“ (1). Doch die Zeit der Sozialen Marktwirtschaft währte nicht lange.

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