Ken Jebsen hat uns politisch entfremdet?

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01-06-21 06:45:00,

Ken Jebsen soll die politische Entfremdung im Land vorangetrieben haben. Daher kniet sich nun der Verfassungschutz hinein und beobachtet den Journalisten und seine Plattform. Dieser Schritt zeigt, wie sehr sich Mächtige von unabhängigen Medienangeboten fürchten – und wie tief der Medienbetrieb mit drin steckt.

Bei YouTube findet man ihn schon seit geraumer Zeit nicht mehr: Ken Jebsen. Die Plattform machte dem Journalisten das Leben schwer, die Abschaltung war eine Frage der Zeit. Seit letzter Woche wissen wir nun, dass er auch noch vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet werden soll. Denn der Journalist habe die »Entfremdung« im Lande vorangetrieben. Dieser Vorwurf ist grotesk. Selbst wenn er stimmte, kann man ihn nicht heranziehen, um eine solche Beobachtung zu rechtfertigen.

Denn damit wirft man Ken Jebsen vor, er hätte unwahre Verschwörungstheorien unter die Leute gebracht, mit dem genannten Resultat. Anders gesagt: Er soll gelogen haben. Wenn jetzt schon die Lüge ein Aufhänger für den Verfassungsschutz sein soll, müsste dieser ja auch gegen die Bildzeitung, den Spiegel und gegen manche fremdgehenden Ehepartner ermitteln.

Reporter mit Grenzen

Nach diesem Argumentationsmuster wären auch unsere etablierten Medien potenzielle Beobachtungsziele des Staatsschutzes. Die Zeiten, da Claas Relotius mit falschen Stories ein völlig falsches Bild von Deutschland und der Welt vermittelte, sind noch gar nicht so lange vorbei. Wenn es also genügt, durch falsche Behauptungen die Stabilität des Landes zu untergraben, dann müssen wir über den Spiegel reden. Und natürlich auch über die Rolle fast aller Medien in der Corona-Krise. Denn von Anfang an wurden die Bürgerinnen und Bürger unter Dauerbeschuss genommen, jede Meldung, die sich für das Thema ausschlachten ließ, wurde aufgeblasen.

Das hat die gesellschaftliche Spaltung begünstigt. Der Medienbetrieb ist in eine tiefe Sinnkrise geschlittert, die schon vor der Pandemie augenfällig wurde. Sachliche Berichterstattung verkauft sich schlechter, Nüchternheit ist Kassengift. Die Schnelllebigkeit in den Netzwerken forciert die Auflösung des journalistischen Berufsethos.

Und nun, da einer aus der Branche aus einem fadenscheinigen Grund zum Staatsfeind verklärt wird, wo er so ziemlich der einzige deutschsprachige Alternativjournalist ist, der es in die Tagesschau schafft, hat die Anteilnahme der Branche Grenzen.

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