Das Karzinom des Kapitalismus

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02-06-21 08:31:00,

Der PAD-Band „Vernunft in Quarantäne“ von Rudolph Bauer bietet in Form verschiedener kurzer Aufsätze eine kompakte und aufschlussreiche Gesamtsicht auf Corona. Aspekte werden vielschichtig miteinander verschränkt, verschiedenste Fragestellungen abgedeckt. Trotz der Dimension der Thematik bleibt die Sprache dabei immer glasklar und verständlich und so auch die nötige Distanz zum Gegenstand gewährleistet.

Leser und Leserinnen werden in die Lage versetzt, gegenüber dem oft unüberschaubar und unfassbar erscheinenden Gesamtgeflecht Corona, selber eine Autorenschaft zu gewinnen. Dieser Rückgewinn eines autonomen (Denk-)Raums ist Voraussetzung dafür, sich aus einer Angststarre zu lösen und wieder handlungsfähig zu werden. Dazu leistet dieser PAD-Band einen erheblichen Beitrag.

„Die globale Pandemie ist eingebettet in eine Weltwirtschaftskrise sondergleichen, die auf nationale Besonderheiten und auf die Eigenschaften des jeweiligen politischen Systems keine Rücksicht nimmt. Unter der Oberfläche der ‚Seuche‘ wuchert die Notwendigkeit einer grundlegenden Umwälzung der kapitalistischen Produktionsweise.“

Das ist eine der evidenten Prämissen, an denen entlang sich der Text erkenntnistheoretisch erhellend abarbeitet. Diesem benannten „Wuchern“ beizukommen mit Denken, das ist sein Ziel.

Folgerichtig setzt der Text bei grundsätzlicher — und gerade nicht auf Corona beschränkter — Kapitalismuskritik an und zeigt auf, dass die „Pandemie“ sich nicht von der wirtschafts- und finanzpolitischen Krise trennen lässt, auf die in Etappen oder Schüben hingesteuert worden ist. Mal bewusst, mal fahrlässig.

„Die Geldwirtschaft des imperialistischen Kapitalismus verlangt in der Krise entweder kriegerische Zerstörung im Außen, d. h. die territoriale Eroberung von Ressourcen und Märkten, sowie Wiederaufbaumaßnahmen im Gefolge der Zerstörungen. In diesem Zusammenhang werden Russland und China von der imperialistischen Nato zu Feindbildern stilisiert. Oder/und das kapitalistische System erzwingt im Inneren eine grundlegende Umwälzung der Produktionsweise. Ziel ist es, die Produktivkräfte im Sinn der industriellen Revolution des ‚Great Reset‘ (Schwab/Malleret 2020) grundlegend umzuschichten und von oben nach unten neu auszutarieren. In diesem Kontext wiederum gilt die Staatsordnung der VR China den westlichen Eliten als Vorbild.“

Die soziokulturellen Implikationen der angepeilten Umwälzungen zwecks „Überwindung“ der systemimmanenten Krise stellt Bauer sodann in einen größeren Zusammenhang:

„Andererseits erfordert die ökonomische Umwälzung neue Technologien, Produkte, Dienstleistungen, Methoden und Geschäftsmodelle. Online-Bestellungen und Lieferdienste haben deshalb Konjunktur. Das Lernen auf Distanz per Laptop, ferner Zoom-Konferenzen und Home Office nisten sich flächendeckend ein. Ordnungs- und Gesundheitsverwaltungen werden digital aufgerüstet.“

Und weiter:

„Die Elemente der neuen Produktionsweise breiten sich aus und wuchern wie ein Karzinom.

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