Sozialismus für Milliardäre, Kapitalismus für den Rest

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02-06-21 02:23:00,

Letztes Jahr sind inmitten einer globale Pandemie 700 Menschen Milliardäre geworden. Seitdem sind noch einmal 500 weitere dazugekommen. Das Gesamtvermögen der Forbes-Liste stieg von 5 auf 13 Billionen US-Dollar – stärker als jemals zuvor. Die meisten neuen Superreichen wohnen in China, gefolgt von den USA.

Im gleichen Zeitraum schrumpfte das globale BIP um 3,3 Prozent, die Arbeitslosenraten der meisten Volkswirtschaften sind etwa 1,5 Prozent höher als vor der Pandemie. Das wirft nicht nur moralische Verteilungsfragen auf. Wir müssen verstehen, wie es sein kann, dass die Reichsten der Reichen gerade das Geschäft ihres Lebens machen, während die Nachfrage auf dem Weltmarkt schwach ist.

Dieser neue Reichtum entstand vor allen Dingen durch die von den Zentralbanken durchgeführten Programme zum Ankauf von Vermögenswerten. Nach der Finanzkrise von 2008 orientierten sich immer mehr Zentralbanken am Vorbild der Bank of Japan und ihrer Reaktion auf die Krise ein Jahrzehnt zuvor. Sie begannen mit der Schaffung neuen Geldes. Damit kauften sie langlaufende Staatsanleihen und einige andere Vermögenswerte, um so die Renditen zu senken (zuvor hatten sie hauptsächlich mit kurzlaufenden Anleihen gehandelt, um die Zinssätze zu beeinflussen).

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Die Idee hinter dem, was man heute gemeinhin als »Quantitative Lockerung« bezeichnet, ist, dass die Senkung der Renditen für langlaufende Staatsanleihen Investoren dazu ermutigen soll, andere Vermögenswerte, wie etwa Aktien, zu kaufen. Mancherorts wird argumentiert, dies sei einfach eine Maßnahme gewesen, um Kreditvergaben und Investitionen anzukurbeln; andere meinen wiederum, dass die Zentralbanken aktiv versuchten, die Preise von Vermögenswerten zu erhöhen und die Wohlhabenden zu bereichern, basierend auf der Annahme, dass dieser Reichtum nach und nach in alle Schichten der Gesellschaft »durchsickern« würde.

Unabhängig davon, was ursprünglich mit den Ankäufen von Vermögenswerten durch die Zentralbanken bezweckt wurde, haben sie zweifellos zu einer erheblichen Inflation der Vermögenspreise und einer zunehmenden Vermögensungleichheit geführt. Wenn dieser Trend im Vorfeld der Covid-19-Pandemie noch nicht offensichtlich war – US-Aktien hatten ihren längsten Boom in der Geschichte erlebt und viele Beobachter warnten vor einer Blase bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen –, so ist er heute nicht mehr zu ignorieren.

Die Einsicht, dass die Ungleichheit durch die Ankaufprogramme für Vermögenswerte von Zentralbanken gestiegen ist, impliziert, dass Staaten direkt in die Kapitalmärkte eingegriffen haben, um das Vermögen der Superreichen zu schützen. Angesichts dessen wäre es absurd,

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