Abenteuer Leben

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06-06-21 07:31:00,

Es duftet. Ein frischer Morgenhauch zieht durch die Luft. Das Zwitschern der Vögel in den Bäumen vor dem Haus erfüllt den Platz und verbreitet gute Laune. Weich flimmern die Sonnenstrahlen über meine Haut. Er ist da, der Sommer, die Zeit der langen Tage und kurzen Nächte, der Schwalben und der Zikaden, der Grillen und der blühenden Wiesen. Warm zieht der Tee durch meine Kehle. Ich atme tief ein und tue, was ich jeden Tag tue: Ich setze mich an den Computer.

Ohne ihn kann ich mir das Leben kaum noch vorstellen. Ein großer Teil meiner Arbeit wäre ohne ihn nicht möglich. Erst recht jetzt nicht, in der Zeit der virtuellen Klassenräume, des Homeoffice, des Homeshoppings und der Telemedizin, des Zoomens, Skypens und Streamens. Während draußen die Natur singt und swingt, sitze ich unbeweglich vor meiner Maschine und hefte meine Augen auf virtuelles Flimmern und Schimmern.

Immer geschickter bin ich geworden im Tippen und Wischen, und gleichzeitig immer unbeholfener darin, Pflanzen und Tiere zu erkennen und mit Spaten und Hacke umzugehen.

Unablässig bediene ich mich der Künstlichen Intelligenz und habe doch nicht die geringste Ahnung, was sich hinter den Benutzeroberflächen verbirgt.

Vorsorglich klebe ich das Auge der Kamera meines Laptops ab und halte mein Smartphone auf Distanz. Ich bin misstrauisch geworden, seit Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft die Welt beherrschen und alles über uns wissen. Unsere verstecktesten Wünsche und geheimsten Ängste kennen sie, unsere Vorlieben und Abneigungen, unsere Gedanken und Träume.

Ihnen begegnen wir in den Serien, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden schießen. Neunzig durchschnittliche Filmminuten reichen nicht mehr aus, um uns in andere Welten zu entführen. Stunden müssen es sein, Tage, Wochen, Monate. Seit die Kinos geschlossen sind, haben Netflix und Amazon reichlich nachgelegt, um uns in ihren Bann zu ziehen. Über den guten alten Fernseher werden so gut wie keine sehenswerten Filme mehr ausgestrahlt, die es doch aus mehr als 100 Jahren Filmgeschichte reichlich gibt. In unserer Welt mangelt es nicht an cineastischen Meisterwerken, die es wert sind, dass man sich an sie erinnert oder sie neu entdeckt. Doch statt Qualität gibt es Quantität und statt Kunst Soap.

Ich habe es versucht, in die Serienwelt einzusteigen.

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