Kapitalismus – Wie Corona die Generation Z radikalisiert

kapitalismus-–-wie-corona-die-generation-z-radikalisiert

08-06-21 08:54:00,

Kapitalismus Jugendliche in Europa wurden befragt, wie die Krise ihr Leben beeinflusst hat. Sie antworteten mit Frust, aber auch mit radikaler Kapitalismuskritik

Wie Corona die Generation Z radikalisiert

Überall auf der Welt reagieren junge Menschen auf Lockerungen mit demonstrativem Feiern, wie hier bei einem spontanen Rave in Frankreich. Hin und wieder verwandeln sich die Partys in politischen Protest

Foto: Francois Monier/AFP/Getty Images

Sie wurden getestet, geprüft, beurteilt und benotet, seit ihrer Kindheit. Ihnen wurde gesagt, dass sie wetteifern, sich hervortun und durchsetzen müssen. Aber dank Covid-19 sieht eine Generation von Schul- und Uniabsolvent*innen nun eine trostlose Gegenwart und eine unsichere Zukunft vor sich.

Die britische Zeitung The Guardian hat Europäer*innen in ihren späten Teenager- und frühen Zwanzigerjahren gefragt, wie sich die Pandemie auf sie ausgewirkt hat. Man hätte Frust erwarten können: über verlorene Jobs, gezwungenermaßen abflauende Freundschaften, abgesagte Termine. Doch als Antwort bekam man Kapitalismuskritik zu hören.

Diese Generation junger Menschen ist in der Lage, systemische Schlüsse aus der Art und Weise zu ziehen, wie die politischen Eliten die Pandemie gehandhabt haben – ganz wie ihre Vorgänger, die aus den Protesten im Zuge der Bankenkrise 2008 hervorgingen. Sie wissen, dass sie höhere Steuern zahlen, eine größere private Verschuldung tragen und mehr Unsicherheit aushalten werden müssen als jede andere Generation seit dem Zweiten Weltkrieg. Ihnen ist klar, dass sie sich neben dem Scherbenhaufen nach der Coronakrise in naher Zukunft mit einem Klimanotstand werden beschäftigen müssen. Und genau so klar ist ihnen, dass sie die Politik der Gegenwart nicht beeinflussen können.

Das ist, wie wir mit dem nahenden Sommer sehr bald sehen werden, eine explosive Mischung. Von Dublin bis Cardiff, von Barcelona bis Berlin – überall reagieren junge Menschen auf die Lockerungen mit demonstrativem Feiern: spontane Raves, plötzliche Übernahmen ganzer Strände, Zusammenkünfte auf den Partymeilen verschiedener Städte. Überall, wo sich Protest finden lässt – wie zum Beispiel bei den propalästinensischen Demonstrationen in London vergangenen Monat – treten Jugendliche als große, laute und widerständige Gruppen auf.

Als „woke“ belächelt und materiell benachteiligt

Ihre Aussagen beweisen allerdings, das hinter der Erleichterung eine tiefe Frustration sitzt. Weil ältere Menschen mehrheitlich die physischen Risiken der Corona-Pandemie getragen haben, mussten die Jungen die psychischen ertragen. „Das vergangene Jahr hat sich angefühlt wie eine hölzerne Bühne,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: