Peru – Wie ein Attentat unter falscher Flagge und die Beschwörung der „kommunistischen Gefahr“ die Präsidentschaftswahl beeinflussten

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08-06-21 10:23:00,

Auf dem Höhepunkt der einheimischen Corona-Pandemie – mit bisher 1,94 Millionen Infizierten (davon aktuell 46.902 Erkrankten), 69.000 Todesfällen (Angaben der Johns Hopkins University, Stand 30. Mai 2021) und mit 215,63 Todesfällen je 100.000 Einwohner nach Brasilien das Land mit der zweithöchsten Inzidenz Lateinamerikas – fand am Sonntag, den 6. Juni, in Peru die Stichwahl des künftigen Staatschefs statt, deren erste Wahlrunde Mitte April 2021 Thema der NachDenkSeiten war. Von unserem Südamerika-Korrespondenten Frederico Füllgraf.

Die damals umrissene, hochgradig politische Fragmentierung – mit rund einem Dutzend Präsidentschaftskandidaten und dem Sprung Pedro Castillos und Keiko Fujimoris in die Stichwahl als Erstplatzierte mit weniger als 20 Prozent der abgegebenen Stimmen – eskalierte in weniger als zwei Monaten zu einer einmaligen, zweifelhaften Polarisierung. Das rein rechnerische Patt könnte so ausgelegt werden, dass es in einigen Ländern Lateinamerikas weder dem progressiven noch dem konservativen Sektor gelingt, ohne komplizierte Hindernisse die Wähler von ihren politischen und sozialökonomischen Konzepten und Zielen zu überzeugen. Indes, wie sich beispielhaft 2018 mit dem Kandidaturverbot Luis Inácio Lula da Silvas und der damit verbundenen Wahl Bolsonaros und nun am Stil der Wahlkampagnenführung Fujimoris zeigte, ist die scheinbare, falsche Polarisierung nur mit Anwendung diffamierender Winkelzüge und medial gesteuerter Intrigen herbeizuführen.

Die erste Stimmen-Schnellauszählung der Wahlbehörde (ONPE) vom späten Sonntagabend bescheinigte Pedro Castillo von der Bewegung Peru Libre 50,2 Prozent und seiner Herausforderin Keiko Fujimori von der Partei Fuerza Popular 49,8 Prozent der Stimmen. Woraufhin Castillos Anhänger auf die Straßen Limas strömten, um den Wahlsieg zu feiern; in Wahrheit ein Patt, das enger nicht sein könnte und noch nicht als konsolidierte Stimmenmehrheit bewertet werden konnte. (Anm. d. Redaktion: Zu einem späteren Zeitpunkt der Auszählung verschob sich dementsprechend auch die Stimmenmehrheit leicht zugunsten Fujimoris.) Das enge Ergebnis, egal ob zugunsten Castillos oder Fujimoris, kündigt allerdings schwere Zeiten für die unmittelbare Zukunft Perus an, dessen sogenannte, vor allem städtische, weiße, schwere Korruption in Kauf nehmende Elite jeden auch noch so bescheidenen wohlfahrtspolitischen Umbau des Staates nicht tatenlos hinzunehmen bereit ist, wie der Mordanschlag von Ende Mai andeutete.

Das Attentat und die künstlich herbeimanipulierte Polarisierung zum Stimmenpatt

Am Wochenende des vergangenen 23./24. Mai, also zwei Wochen vor der Stichwahl, meldeten peruanische und internationale Medien einen seltsamen Anschlag im Hinterland Perus. Nach Angaben des peruanischen Polizeipräsidenten César Cervantes forderte ein Angriff mit Feuerwaffen den Tod von mindestens zehn Männern,

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