Die ungeschnittene Realität

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10-06-21 09:05:00,

Eines vorweg: Ich mag Filme, insbesondere wenn sie gut sind. Und noch eines, der folgende Text ist ein rein subjektiver Eindruck und spiegelt in keiner Weise das wider, was als die Wirklichkeit bezeichnet wird. Auch sind alle Parallelen zur aktuellen Lage rein zufällig.

Als Jugendlicher hatte ich die lustige Idee, wie es wäre, eines Morgens in einem coolen Film aufzuwachen. Am besten in einem wirklich guten, nicht unbedingt in der Hauptrolle, aber irgendwie als Teil der Geschichte, in der man mit all den super coolen Typen zusammenkommt.

Vielleicht war es die Langeweile, die mich zu diesen Gedankenspielen trieb, oder schlichtweg ein Mangel an Durchhaltevermögen, um etwas auf die Beine zu stellen.

Jahre später absolvierte ich eine Ausbildung zum Drehbuchautor, schrieb Drehbücher und Gebrauchstexte. Gute Filme zeichnen sich für mich dadurch aus, dass sie auf Dinge aufmerksam machen und Parallelen zu meinem Leben aufzeigen.

Allerdings hätte ich es nicht für möglich gehalten, einmal in einem Film wie dem jetzigen aufzuwachen. Als wäre über Nacht eine große Bühne mit bizarren Kulissen und einer teuflischen Inszenierung auserwählter und gut eingespielter Darsteller vom Himmel herabgelassen worden.

Stellt sich die Frage: Wer schrieb das Drehbuch?

Die Kurve der Wirklichkeit hat sich so nah an die Kurve der Fiktion angenähert, so nahe, dass eine Kurve gebildet wird. Die Fiktion wurde zur Asymptote. Erst heute Morgen ist mir das deutlich vor Augen geführt worden. Als der Sonntagsgottesdienst zu Ende war, strömten die Leute aus ihrer Kirche, allesamt mit Maske. Gleichgültig wie normal das in den Medien und sonst wo dargestellt wird, erinnert es mich an die absurde Welt eines Samuel Beckett oder Luis Buñuel. Gläubige strömen aus einem Gotteshaus, mit Maske überm Gesicht, als wäre ihnen das Gottvertrauen abhanden gekommen. Stattdessen demonstrieren sie Zweifel, demonstrieren Furcht. Die Furcht vor einem anderen Gott. Dem Gott der wissenschaftlichen Prognose eines Hauses RKI & WHO AG. Statt Glaube, Liebe, Hoffnung — Zweifel, Sorgen, Ängste.

Es ist ein sehr merkwürdiger Film, den ich mir als Jugendlicher so nicht erträumte. Nichtsdestotrotz gleicht er einem Drama, hat eine Brise bitteren Sarkasmus und eine euphorisierende Aufbruchsstimmung in die „schöne neue Welt“.

Wie ließe sich dieser Film — ich nenne ihn der Einfachheit halber mal „unseren Film“ — beschreiben? Das Beste ist, ich vergleiche ihn mit bekannten Filmen.

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