Leben unter Vorbehalt

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10-06-21 07:51:00,

Auch alles Schütteln und Räkeln und Strecken hilft nicht. Schnaps dann vielleicht, doch die Wirkung hält nicht lange vor, und ein Zuviel davon zeitigt unschöne Nachwirkungen, oft sehr nachhaltige sogar. Antidepressiva könnten eventuell Abhilfe schaffen, doch wer weiß tatsächlich um die Nebenwirkungen, und die Pharmaindustrie noch reicher zu machen ist keine taugliche Option.

Es hilft eben nichts, und kein Kraut scheint gewachsen gegen den mitunter verspürten Überdruss. Allerorten bricht er sich unvermittelt Bahn. Stehen wir vor der durch staatliche Willkür verschlossenen Kneipe, den Schafen gleich in der Endlosschlange vor der Post oder dem Bäcker, auch noch beim Fleischer, treffen wir aufeinander regennass vor dem Friseurgeschäft und warten durchgefroren und beinahe sehnsüchtig auf einen endlich beginnenden Infekt, so ist das Stöhnen dennoch nicht mehr zu überhören: „Es reicht! Ich habe es dicke! Wir haben den Kanal gestrichen voll!“

Und sind wir ehrlich mit der Hand auf dem Herzen, dann müssen wir uns wohl alle eingestehen: Wir haben vieles einfach nur noch satt, den täglichen Verkehr etwa und das Tempolimit auf der Autobahn. Schon nerven Grüne und Sozialdemokraten mit einer dauerhaften Tempodrosselung, und ja, auch die(se) politische Gängelei haben wir satt. Stop! Vorfahrt! Achtung Fußgänger! Vorsicht Gegenverkehr! Vorsicht Baustelle!

Angewidert sind wir ebenso vom öffentlichen Verkehr, vom Gedränge, vom Verspätetsein. Wir haben sie satt, die Anschnallpflicht wie auch die Videoüberwachung und ebenso satt den Nachbarn mit Laubgebläse und Rasenmäher. Überdrüssig sind wir des Rauchverbots, der Beglückungen durch Wahlversprechen, der Verhaltenstherapie, der Brandmelder, der Diätvorschriften, der Antivirenprogramme, der Hygienevorschriften und ständiger Updates. Satt auch der Blutdrucksenker, der Nahrungsergänzungsmittel samt Vitamintabletten, der Rückengymnastik, der Bevormundung durch Coaching und gruppendynamische Spiele, der Grippe- oder COVID-Schutzimpfung, der Hausrat-, Haftpflicht-, Unfall-, Sterbe- wie der Lebensversicherung.

Lärmschutz, Tierschutz, Datenschutz, Klimaschutz, Antifaltencremes, Biomüsli, rasierte Genitalien und Achselhöhlen, den Spahn-Merkel-Lappen im Gesicht, Gesangsverbot, Kontaktverbot, Sportverbot — wir haben das alles so satt!

Glaubten wir noch an den Herrn der Herrlichkeit, so würden wir wohl zunehmend häufiger rufen: „Herr, erbarme dich unser und gewähre uns Schutz vor dem Schutz!“ Doch das christliche Glaubensgerüst bietet längst keinen Halt mehr. Die vormaligen Glaubenshüter und metaphysischen Bedürfnisanstalten, die sogenannten christlichen Großkirchen, werden derzeit überschallartig zu Schrumpfkirchen, die Standesämter in manchen Bundesländern kommen mit der Terminvergabe zum Kirchenaustritt nicht hinterher. Auch schwieg der Herr zu lange schon. Enttäuschung allenthalben und apathisches Ausharren.

Es scheint,

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