Frische Luft im Osten

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16-06-21 04:48:00,

Ulrich Heyden: Sie haben das erste Mal in ihrem Leben Russland besucht. Warum sind Sie gerade jetzt gefahren?

Manfred Marunge: Mein uralter Traum war immer mal nach Russland zu fahren. Anlass war, dass ich mir gesagt habe, ich bin jetzt im fortgeschrittenen Alter, man weiß nicht, wie lange man noch reisen kann. Es reicht ja schon, dass man nicht mehr richtig laufen kann. Und dann habe ich gesagt, jetzt oder nie. Und als dann die Flüge nach Russland wieder möglich waren, habe ich gesagt, jetzt zieh ich das einfach mal durch.

Meine Versuche irgendwie nach Russland zu kommen sind immer wieder gescheitert und erst als Rentner habe ich dann durch einen Zufall einen Brieffreund in Russland gefunden.

Wer war der Brieffreund?

Das war Lew, ein Ingenieur wie ich. Der hatte mit seiner Frau ein Buch über die Literaten-Siedlung Peredelkino geschrieben. Über dieses Buch haben wir uns kennengelernt. Wir haben viele E-Mails geschrieben und ich habe festgestellt, dass die Russen eigentlich ziemlich genauso ticken wie wir. Sie sind ganz normale Menschen.

Sie sprechen kein Russisch. Wie haben Sie mit den Leuten gesprochen?

Mein Russisch ist nur sehr rudimentär. Aber man findet immer Menschen in Russland, die entweder ein bisschen Deutsch oder Englisch sprechen.

In Moskau hat mich eine Bekannte von der Familie meines Freundes unter die Fittiche genommen und mit mir eine ganz tolle individuelle Führung gemacht, durch die Innenstadt von Moskau, hat mir Sachen gezeigt, die hätte ich sonst nie gesehen. Und schon das war beeindruckend, dass sich wildfremde Leute unglaublich gefreut haben, mir ihr Moskau zu zeigen.

Gab es irgendetwas, was überhaupt nicht ihren Erwartungen entsprach?

Ich war unglaublich positiv überrascht von der Freundlichkeit der Menschen. Meine Eltern gehörten ja der Generation der Nazi-Wehrmacht an und haben das alles verteidigt.

Den Angriff auf die Sowjetunion?

Ja, den Angriff auf die Sowjetunion. Und da erwartet man von den Russen gegenüber einem Deutschen doch eine gewisse Zurückhaltung. Aber ich habe in Russland unglaublich viel Unterstützung von wildfremden Menschen erfahren, die sich ganz viel Zeit genommen haben, mir zu helfen, denn man kommt schon, wenn man keine geplante oder fest organisierte Reise macht, in viele Situationen, die etwas schwierig sind.

Können Sie ein Beispiel für diese Unterstützung erzählen?

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