Peru – Nach Castillos Sieg, Wahlanfechtung mit Aufmärschen der extremen Rechten

peru-–-nach-castillos-sieg,-wahlanfechtung-mit-aufmarschen-der-extremen-rechten

17-06-21 08:50:00,

Pedro Castillo Terrones, der linke Grundschullehrer und Präsidentschaftskandidat der Wahlliste Peru Libre („Freies Peru“), könnte zum nächsten Präsidenten von Peru geweiht werden und seine rechtsextreme Herausforderin Keiko Fujimori, von der Wahlliste Fuerza Popular, zum dritten Mal eine Präsidentschaftswahl verlieren. Von Frederico Füllgraf.

Die Nationale Wahlbehörde Perus (ONPE) aktualisierte über einer Woche lang die immer seltener – man darf sagen stotternd – eingehenden, offiziell anerkannten Stimmen für die Stichwahl vom vergangenen 6. Juni. Mit ihrer letzten Aktualisierung von Montag, dem 14. Juni (ONPE resultados finales EN VIVO segunda vuelta Elecciones …), gab ONPE bekannt, bei 100 Prozent der erfassten und zu 99,985 Prozent überprüften Stimmen, nehme der ehemalige Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Perus (Sutep), Pedro Castillo, mit 50,127 Prozent der abgegebenen Stimmen nach wie vor den ersten Platz ein, während Opponentin Keiko Fujimori mit 49,873 Prozent der Stimmen die Präsidentschaftswahl verloren habe.

Den äußerst knappen Vorsprung von 44.816 Stimmen, beziehungsweise 0,254 Prozentpunkten, nahm während der langsamen Stimmenerfassung aus dem peruanischen Hinterland die Kandidatin Fujimori zum Anlass, die Wahl anzufechten. Dutzende Anwälte in ihrem Auftrag reichten seit dem 10. Juni eine Schwemme von über 800 Wahlanfechtungs-Klagen ein. Die rechtsextreme Fujimori-Szene verstärkte die Offensive mit Psychoterror, Belagerung von Privatadressen, Bedrohung von Staatsanwälten, bekannten Persönlichkeiten aus Kultur und demokratischen Medien, sowie mit der Androhung eines Staatsstreichs, der die ofizielle Anerkennung des Wahlsieges und Amtsübertragung an den linken Grundschullehrer Pedro Castillo Terrones verhindern soll. Die peruanische Staatsanwaltschaft nahm daraufhin zum Wochenbeginn Untersuchungen der Übergriffe auf (Perú: La Fiscalía de Perú investiga campaña de acoso contra …).

Castillo-Wahlliste stellt Mehrheit im neuen Parlament

Die Nationale Wahljury (JNE), eine Art Wahlaufsichts-Gremium, steht unter starkem Doppelbeschuss. Fujimori nötigte ihm eine Fristenverlängerung zur offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses auf, was auf Seiten der Castillo-Anhänger im In-und Ausland den Verdacht erweckte, der Unparteilichikeit des JNE sei nicht zu trauen. Indes, während der Sonntagspause im Konflikt um das Wahlergebnis, gab das JNE die Verteilung der 130 Sitze im peruanischen Kongress (Parlament) bekannt, deren parlamentarische Vertreter ebenfalls am vergangenem 6. Juni gewählt wurden. Demnach stellt Castillos Wahlliste Peru Libre mit 37 Sitzen die zahlenmäßig stärkste Fraktion, gefolgt von Fujimoris Fuerza Popular mit 24 Sitzen. Was bedeutet, dass egal welcher Wahsieger, selbst Castillo keine Mehrheit im Parlament besitzen wird,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: