Das ewig Männliche

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18-06-21 05:05:00,

In M. Night Shyamalans Fantasy-Film „Das Mädchen aus dem Wasser“ wird ein Mann gezeigt, der nur die eine Seite seines Körpers trainiert hat. Schenkel und Arme sind auf der einen Seite angeschwollen wie bei einem Bodybuilder; auf der anderen Seite sind alle Gliedmaßen dünn und schwächlich. Diese groteske Figur könnte symbolisch für die Einseitigkeit stehen, mit der wir Menschen seit Jahrhunderten unsere Fähigkeiten ausprägen.

Die Fähigkeiten der linken Gehirnhälfte — Ratio, Logik, diskursives Denken — sind übermäßig ausgeprägt, die der rechten — Gefühl, Intuition — oft geradezu verkümmert. Es wäre höchste Zeit, einen Ausgleich herzustellen. Doch der Teufel steckt nicht nur im Detail, er sch… immer auf den größten Haufen. Das Ungleichgewicht scheint sich immer noch mehr zu vergrößern.

„Das Mädchen aus dem Wasser“ ist eine Wassernymphe von zarter, reiner und höchst spiritueller Ausstrahlung, die die Menschen wieder in Kontakt mit ihrer Seele bringt. Es ist die Figur eines „weiblichen Messias“, wie sie in letzter Zeit in mehreren Büchern und Filmen aufgetaucht ist: etwa in Glenn Kleiers Buch „Jesa“ — die weibliche Form von „Jesus“ — es oder in „Der Goldene Kompass“. Schon klassische Märchen wie „Die sechs Schwäne“ oder „Die Schneekönigin“ kennen starke weibliche Zentralfiguren — Retterinnen.

In Dan Browns Bestseller „Sakrileg“ taucht eine Nachfahrin Christi auf, und Maria Magdalena wird als gleichberechtigte Gefährtin des Erlösers rehabilitiert. Im Buch und der daran anknüpfenden Verfilmung mit Tom Hanks erscheint das unterdrückte Weibliche als das verdrängte Geheimnis der katholischen Kirche. Symbol dafür ist der Heilige Gral. Die oben offene Schale symbolisiert das Weibliche in seinen Aspekten Empfänglichkeit und Hingabe. Der Megaerfolg dieses Stoffes sagt einiges darüber aus, dass große Teile der Öffentlichkeit damals rein waren für ein Wiedererstarken des weiblichen Archetyps.

Neben „Sakrileg“ ist in diesem Zusammenhang auch Paolo Coelhos Bestseller „Die Hexe von Portobello“ interessant. Der Autor präsentiert seinen Lesern dort anhand des Schicksals der „Hexe“ Athena eine eher heidnische Version des Mythos von der Großen Mutter:

„In der heidnischen Tradition ist die Anbetung der Natur wichtiger als die Verehrung heiliger Bücher. Die Göttin ist in allem, und alles ist Teil der Göttin. Die Welt ist nur ein Ausdruck ihrer Güte. (…) Im Kultus der Großen Mutter gibt es nicht mehr das, was wir ‚Sünde’ nennen und was gemeinhin eine Übertretung willkürlicher moralischer Gesetze ist. Geschlechtsleben und Bräuche sind freier,

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