Ein halbes Jahr nach dem Putsch – Ein Zwischenbericht zur aktuellen Lage in Myanmar

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19-06-21 03:06:00,

Am ersten Februar 2021 putschte das Militär und hinderte die Abgeordneten daran, zu ihrer ersten Sitzung nach den Wahlen vom November zusammenzutreten und eine neue Regierung zu bilden. Schlimmer noch, es verhaftete die Führer der NLD, die bei weitem die meisten Stimmen erhalten hatte und erneut die Regierung bilden wollte. Auch Aung Suu Kyi, die Gründerin der NLD, wurde verhaftet. Die Militärjunta bildete eine eigene Regierung, verhängte den Ausnahmezustand und blockierte den Zugang zum Internet und zu den sozialen Medien. Fünfeinhalb Monate nach dem Militärputsch gibt es noch täglich Kämpfe und Demonstrationen gegen die Junta, die Lage ist noch immer so verwickelt, dass man nicht sagen kann, wer schlussendlich die Oberhand gewinnen wird.
Fest steht jedenfalls, dass General Aung Hlaing den Umfang und die Langlebigkeit des Widerstandes gegen seinen Coup, der die Demokratie aushebelte, unterschätzt hat. Von Marco Wenzel.

Nach einer ersten Schockstarre von wenigen Tagen begann das Volk auf die Straße zu gehen und seinen Protest gegen die Machtusurpation der Militärjunta offen zu zeigen. Zeitgleich bildeten die untergetauchten gewählten Abgeordneten ein erstes Komitee als Gegenregierung, das sich später unter dem Namen NUG (nationale Einheitsregierung) fest konstituieren und eigene Minister ernennen wird. Zugleich wurde vom Volk ein Komitee des zivilen Ungehorsams (CDM) gebildet, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Junta zu boykottieren und es ihr unmöglich zu machen, das Land zu regieren. Lehrer, Ärzte und Beamte gehörten zu den ersten, die sich im CDM zusammenschlossen. Eine Woche später waren es bereits Hunderttausende, die täglich auf die Straße gingen und mit Streiks das Land lahmlegten. Jetzt begann das Militär mit aller Gewalt gegen die Proteste vorzugehen und es gab die ersten Toten, die bei den Demonstrationen vom Militär erschossen wurden.

Damit hatte die Junta definitiv eine rote Linie überschritten. Die Fronten verhärteten sich, die Vorgehensweise der Sicherheitskräfte wurde immer brutaler, eine friedliche Beilegung rückt in weite Ferne. Mitte März rief die Militärjunta in weiten Teilen des Landes das Kriegsrecht aus. Am 27. März feierte das Militär den Tag der Streitkräfte und erschoss an diesem Tag allein über 100 Demonstranten. Seit dem ersten Februar sind etwa 800 Zivilisten von der Tatmadaw, wie das Militär in Myanmar genannt wird, getötet worden, tausende wurden verhaftet und zehntausende sind auf der Flucht.

Die Kämpfe halten bis heute unvermindert an. Die Militärjunta erlässt täglich neue Gesetze gegen die Volksbewegung und versucht mit allen Mitteln die Proteste und die Streiks zu beenden.

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