Die schleichende Transformation in den totalitären Geist der DDR

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23-06-21 12:04:00,

Wir befinden uns in einem leisen, aber deutlich bemerkbaren Umwandlungsprozess dessen, was lange den demokratischen Stolz westdeutsche Politiker ausmachte, in das autoritäre Lenkungs- und Überwachungssystem des ehemals sozialistischen Ostdeutschlands. Der Kampf des poltisch-medialen Komplexes gegen das Demokratie-Kerngrundrecht der Meinungsfreiheit, die Ausbreitung der Zensur kritischer Auffassungen, die geheimdienstliche Überwachung alternativer Medien und die Einschnürung in eine Fülle restriktiver Verhaltensnormen sind bereits alltägliche Gewohnheit geworden. Der alte Totalitarismus breitet sich in neuen Gewändern wieder über ganz Deutschland aus.

Erinnerungen

Chaim Noll, ein in der DDR aufgewachsener deutsch-israelischer Journalist und Schriftsteller1, der 1983 nach Westberlin ausreisen konnte und inzwischen in Israel lebt, erinnerte sich am 3.3.2019 in einem Artikel auf achgut.com2 an die Wendezeit und den äußeren Zusammenbruch der DDR. 1991 hatte er sich im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Freien Universität Berlin mit den Akten des DDR-Schriftstellerverbandes befasst und erinnerte sich daran, wie entsetzt er „über die lückenlose Überwachung und Bespitzelung“ gewesen war, „die schon im Keim erstickte Meinungsfreiheit, die ´innere Zensur´, der sich die Schreibenden unterworfen hatten und die – der heutigen political coorectness vergleichbar – bereits die Wege ihres Denkens auf ungesunde Weise lenkte und behinderte. Ich konnte nachverfolgen, wie Regulierung von Sprache, Themen, Meinungen ihre Rückwirkung nimmt auf die Psyche. Wie Menschen daran krank werden. Ich nannte es ´Stacheldraht im Gehirn´“.

Und er erinnerte sich besonders an Bärbel Bohley 3, die Ikone der Bürgerrechtsbewegung, die vor dreißig Jahren, als die DDR unterging, jeder kannte. Doch zu einer entsprechenden Stellung im Nach-Wende-Deutschland kam sie nicht. „Da stiegen andere auf, Mädchen, die bis zuletzt brav mitgemacht hatten. Bärbels Name stand für eine lange Vorgeschichte von Ungehorsam und Rebellion. Es lag in der Natur des westdeutschen Parteiensystems, dass im vereinigten Deutschland nicht Leute wie sie, sondern die Mitläufer hochkamen, die Angepassten. Als ´Kohls Mädchen` wäre Bärbel Bohley nicht geeignet gewesen. Da fanden sich Andere, Geschicktere.“

Im Frühjahr 1991 habe er Bärbel Bohley zum letzten Mal gesehen. Nach einer Fernseh-Sendung, in der sie ihn heftig angegriffen habe, seien sie gemeinsam mit Katja Havemann, der Witwe des berühmten Dissidenten und dem West-Berliner Schriftsteller Peter Schneider zum Essen in ein italienisches Restaurant nahe dem Gebäude des Senders Freies Berlin gegangen. In der Diskussion nach dem Essen, bei einer Flasche Wein, habe Bärbel sie mit ihren,

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