Spahn mit Lernschwächen. Gesundheitsminister plädiert für Schulen in anhaltendem Notstandsmodus.

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27-06-21 03:03:00,

Die Lehranstalten im Lande schalten langsam auf Normalbetrieb um und Jens Spahn gibt einmal mehr den Bremser. Im neuen Schuljahr stünden weiter Wechselunterricht, Masken und Corona-Tests auf dem Programm, ließ er verlauten, aber beschlossen sei noch nichts. Wie im Vorjahr soll der Notstand offenbar bis in den Herbst überbrückt werden, wobei die Delta-Variante der Hebel dafür sein könnte. Dazu verspricht die Mutante aus Indien neuen Argumentationsstoff für eine Massenimpfung von Kindern und Jugendlichen. Für Bildungsforscher wäre ein neuerlicher Lockdown ein Graus. Nach einer Studie der Goethe-Universität ist Homeschooling so effektiv wie Sommerferien. Von Ralf Wurzbacher.

Danke schön, Herr Spahn! Kaum, dass sich Deutschlands Schulen nach monatelanger Abnormität aufmachen, zu einem halbwegs normalen Unterrichtsbetrieb mit Präsenzlehre in voller Klassenstärke zurückzukehren und Kinder mancherorts sogar, wie seit Wochenbeginn in Rheinland-Pfalz, frei und barrierefrei durchatmen können, trampelt der Bundesgesundheitsminister das zarte Pflänzchen neuen Mutes prompt wieder platt. Mit Blick auf die Zeit nach den Sommerferien gab er am vergangenen Wochenende bei einer Online-Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing zu Protokoll: „Wir werden nicht völlig ohne Schutzmaßnahmen – sei es Maske, Abstand, Wechselunterricht, Tests vor allem auch – wieder in den Schulbetrieb gehen können.“

Das war eine Wortmeldung zur Unzeit. Natürlich lässt sich jetzt noch nicht sicher absehen, wie die Corona-Lage in zwei oder drei Monaten aussehen wird. Aber muss man Kindern und Eltern, die Schule und Bildung seit über einem halben Jahr bloß noch in der Magerstufe kennen und heftigste Verrenkungen unternommen haben, um irgendwie ihren Alltag zwischen Beruf, Haushalt und Homeschooling zu managen, beim ersten Lichtblick der Besserung gleich wieder mit der Angstkeule kommen? Nein, muss man nicht. Zumal die Angstkeule in eineinhalb Jahren schon viel zu oft geschwungen wurde, ohne dass es dafür, wie sich spätestens nachträglich herausstellte, stichhaltige Gründe gegeben hätte.

Kein Durchatmen

Waren die deutschen Lehranstalten jemals die „Virenhotspots“, zu denen sie immer auch wieder Jens Spahn (CDU) erklärt hat? Eben nicht: Selbst in der sogenannten dritten Welle im Frühjahr, dominiert von der angeblich hochansteckenden britischen Mutante, für die gerade jüngere Menschen besonders empfänglich sein sollen, waren die Schulklassen und Pausenhöfe weit weg davon, „Infektionsherde“ zu sein. In Hamburg zum Beispiel hatten bei über einer Million Schnelltests innerhalb von fünf Wochen 1.128 Schüler und Pädagogen einen Positivbefund. Das entspricht einer Quote von 0,1128 Prozent, wobei sich davon statistisch mithin die Hälfte als falscher Alarm erwiesen haben müsste.

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