Putin im O-Ton über seinen Nachfolger | Anti-Spiegel

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02-07-21 09:33:00,

Alle Welt fragt sich, wann Putin als russischer Präsident abtritt und wer sein Nachfolger wird. Dazu hat Putin sich bei der Fragestunde am Mittwoch geäußert.

Wie angekündigt übersetze ich die Teile von Putins vierstündiger Fragestunde, die meiner Meinung nach für deutsche Leser interessant sind. Putin hat sich zur Frage seiner Nachfolge wie immer bedeckt gehalten, aber da das Thema viele interessiert, habe ich die Frage eines Russen und Putins Antwort dazu übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Dolzhenko: Sehr geehrter Herr Präsident!

Sie sind durch eine freiwillige Machtübergabe von Jelzin an die Macht gekommen. Ist eine solche Machtübergabe zum jetzigen Zeitpunkt möglich? Und gibt es in Ihrem Team eine Person, der Sie ohne zu zögern die Macht übergeben könnten?

Putin: Sehen Sie, Boris Jelzin hat die Macht nicht an mich übergeben. Es geht um Folgendes. Nach unserem Gesetz, der Verfassung der Russischen Föderation, wird der Ministerpräsident der Russischen Föderation zum amtierenden Präsidenten, wenn der Präsident auf seine Befugnisse verzichtet. Ich war Ministerpräsident.

Ich verschweige es nicht und es gibt hier keine Geheimnisse, dieser Entscheidung sind andere Ereignisse vorausgegangen. Ich war mal Direktor des Geheimdienstes und als Boris Jelzin mir vorschlug, Sekretär des Sicherheitsrates zu werden, einer Institution, die im Auftrag des Präsidenten die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden koordiniert, musste ich im Auftrag des Präsidenten einen Nachfolger für den Posten des Direktors des Geheimdienstes auswählen.

Zu meiner Überraschung lehnten die Leute, denen ich die Stelle anbot, diese ab. Warum? Die Situation im Land war sehr schwierig und nicht viele Menschen wollten eine solche Verantwortung übernehmen. Und als Boris Jelzin vorschlug, dass ich für die Präsidentschaft kandidieren sollte, sagte ich ihm: „Boris Nikolajewitsch, ich glaube, ich bin nicht bereit dafür.“ Er sagte zu mir: „Wir werden darauf zurückkommen. Überlegen Sie es sich“. (Anm. d. Übers.: In der Tat hat Putin seinerzeit das Angebot, als Jelzins Nachfolger zu kandidieren, abgelehnt und er musste überredet werden. Das bestätigt Putin selbst immer wieder, aber auch seine heutigen Gegner, die sich damals Vorteile davon erhofften, Putin zu russischen Präsidenten zu machen, bestätigen die Geschichte. Darüber habe ich in meinem Buch über Putin ausführlich berichtet)

Aber am Ende ist Boris tatsächlich zurückgetreten und ich wurde amtierender Präsident, aber am Ende müssen immer die Bürger Russlands entscheiden,

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