Das Sommermärchen | Von Roland Rottenfußer | KenFM.de

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05-07-21 03:35:00,

„Endlich wieda la vida! Ab in den Fliega! Jetzt feiern wir wieda — la vida sin corona“. Carolin Kebekus, die Mehrzweckwaffe der neunormalen Correctness („Alles wird sich gendern“) tänzelt wie entfesselt durch die Szenerie. Kein Sommer-Sonne-Klischee wird in dem Filmchen zu ihrem neuen Hit ausgelassen: Strohhut, Sonnenbrille, Drink, Strohhalm, Palmen, Strand. Party-People räkeln sich lasziv, raven, knutschen gar. „Der Sommer, der Sommer, der Sommer, er wird guuuuut“, flötet die Comedy-Sirene.

Eine Botschaft der Befreiung drängt sich mit dem vitalen Clip auf.

Die dunkle Zeit ist vorbei, die Spaßgesellschaft ist zurück, Lebensgier bricht sich Bahn. Selbst das Sakrileg wird nicht gescheut: „Goodbye Maskenpflicht“, heißt es, und Masken purzeln zu Boden. Es wäre so schön. Tja, wäre da nicht Karl Lauterbach. Die ewige Corona-Kassandra nölt der Befreierin andauernd dazwischen. Singt Kebekus „In der vollen Bahn fassen wir uns an“, relativiert Lauterbach: „Wovon ich nur dringend abraten kann“.

Tatsächlich scheint Lauterbach freiwillig an dem Popvideo mitgewirkt zu haben. Seriös an seinem Schreibtisch sitzend, kommentiert er die seiner Meinung nach zu weit gehenden Lockerungen und die lockeren Sitten, zu denen Kebekus verlocken will. „Der Sommer wird gut“ ist ja ein Originalzitat des SPD-„Gesundheitsexperten“ und De-facto-Lebensgefährten von Markus Lanz. Daraus wurde ein Hit gestrickt. Einige Passagen sind verräterisch. „Keine Querdenker mehr, die schimpfen“, heißt es, und ein Querdenken-Schild landet im Müll. Das reimt sich natürlich auf „Und alle wollen sich impfen.“

Kultfigur Lauterbach

Was will uns das Liedchen sagen? Ist es etwa ein Signal für das Aufbegehren anarchischer Vitalität gegen das Corona-Korsett? Auffällig ist, mit welcher Selbstverständlichkeit beim Bürger die Möglichkeit vorausgesetzt wird, am Dolce Vita teilzunehmen. Das Ambiente ist eher „Upper Class“. So mancher Hartz-IV-Betroffene oder gerade durch den Lockdown ruinierte Kleinunternehmer mag es als Verhöhnung empfinden. Er kann nicht mal eben in die Bar oder ins Restaurant gehen oder in den „Fliega“ steigen.

Des Weiteren ist die Produktion natürlich eine Sympathiekampagne par excellence für Karl Lauterbach, der sich auf diese Weise als jemand präsentiert, der auch mal „locker“ ist und für einen Spaß zu haben.

So richtig lustig ist es aber nicht, was Lauterbach tut. Er ist seit dem Beginn der Epidemie zu einer Art geistigem Kerkermeister der Nation avanciert.

Seine manchmal im Tonfall skurril wirkenden und gut parodierbaren Ermahnungen haben unmittelbare politische Folgen. Mit jedem Lauterbach-Auftritt stirbt mitunter ein Stück Freiheit.

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