Die Öffentliche Meinung als objektive Macht

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05-07-21 11:41:00,

Wir sind von der öffentlichen Meinung ständig umgeben. Sie wirkt unentwegt auf uns ein, ob wir  wollen und ob wir es merken oder nicht. Die meisten bemerken es nicht, ihr Bewusstsein ist ganz selbstverständlich erfüllt von den einströmenden Bildern, Gedanken und Gefühlen, die sie naiv für wahr, ja schließlich für ihre eigenen Überzeugungen halten. Nur wenige sind sich der ungeheuren Wirkungen der öffentlichen Meinung auf ihre Seele bewusst und durchschauen sie als gewaltigen Mechanismus der Massenlenkung, der Manipulation des Bewusstseins und der Überwältigung des um Freiheit ringenden Menschen. Aber auch wenn man das weiß, man kann sich nur schwer den vielen unbewussten Einflüssen entziehen.

Öffentliche Meinung bezeichnet die in einer Gesellschaft vorherrschenden Urteile zu Sachverhalten, die von allgemeinem, öffentlichem Interesse sind, bzw. dazu gemacht werden. Das sind Urteile zu politischen und wirtschaftlichen Sachverhalten, sowie zu wissenschaftlichen, religiösen oder künstlerischen, also kulturellen Themen. Gemacht wird die öffentliche Meinung im weitesten Sinne seit der Erfindung des Buchdruckes, also etwa seit dem 16. Jahrhundert durch immer mehr wachsende Druckerzeugnisse; und heute durch eine ungeheure tägliche Flut von Zeitungen sowie vor allem durch Radio, Fernsehen und Internet. Man spricht ja deshalb auch von veröffentlichter Meinung. Die Meinung weniger wird zur Meinung vieler gemacht.

Die öffentliche Meinung breitet sich wie eine objektive Macht zwischen den Menschen aus und übt  einen unbewussten oder halbbewussten Druck auf sie aus, übernommen zu werden. Ihr gegenüber herrscht unbemerkt ein ungeheurer Autoritätsglaube, wie es ihn im viel geschmähten finsteren Mittelalter nicht gegeben hat. Damals waren es bestimmte Persönlichkeiten, die in diesem oder jenem Gebiet eine Autorität ausübten, der man folgte und gehorchte. Aber die heutige öffentliche Meinung ist eine weitgehend unpersönliche, anonyme Autorität, die sich aus politischer und religiöser Obrigkeitshörigkeit und hilfloser Wissenschafts-Gläubigkeit zusammensetzt. Einen solch blinden Autoritätsglauben hätte man früher so nicht finden können.

Der Druck der öffentlichen Meinung besteht insbesondere darin, denjenigen, der eine andere Meinung vertritt, als Extremisten zu stigmatisieren. Und der Mensch möchte nicht gerne sozial isoliert werden. Widerspricht die eigene Meinung der als vorherrschend betrachteten Meinung, so gibt es daher Hemmungen, sie zu äußern, und zwar umso stärker, je ausgeprägter der Gegensatz ist. Es wird ein Konformitätsdruck, ein Anpassungsdruck erzeugt, dem sich die meisten unterwerfen und es vorziehen, die vorgegebenen, „politisch korrekten“, Urteile zu übernehmen oder wenigstens zu schweigen. Dabei entsteht der Druck weniger dadurch, dass die abweichende Meinung als falsch,

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