Südeuropa ist nun unabhängig(er) vom ukrainischen Gastransit | Anti-Spiegel

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06-07-21 01:51:00,

Während Politik und Medien ein Riesenaufheben um Nord Stream 2 machen, beziehen nun mehrere südeuropäische Länder russisches Gas über das südliche Gegenstück der Pipeline, wobei die Ukraine umgangen wird.

Die Hauptargumente der Gegner von Nord Stream 2 sind, dass die EU erstens in eine Abhängigkeit von russischem Gas gerät und dass die Pipeline zweitens die Ukraine umgeht und das Land auf Sicht seine Rolle als Transitland für russisches Gas und die damit verbundenen Milliardeneinnahmen verliert. Inzwischen wurde das südliche Gegenstück zu Nord Stream 2 fertiggestellt, das russisches Gas über die Türkei nach Südeuropa bringt. Aber merkwürdigerweise blieb der große politische und mediale Aufschrei, der Nord Stream 2 seit Jahren begleitet, aus.

Die Ukraine als Gas-Transitland

Die ukrainische Pipeline versorgt seit Jahrzehnten Südeuropa mit russischem Erdgas. Bevor Nord Stream 1 fertiggestellt wurde, wurde Mitteleuropa durch die weißrussische Pipeline mit Gas versorgt, heute kommt das Gas für Mittel- und Westeuropa auch über Nord Stream und weil die Nachfrage nach Gas in Europa steigt, wird Nord Stream 2 gebaut.

Man sieht daran, dass zumindest das Argument, Nord Stream 2 gefährde die Rolle der Ukraine als Gas-Transitland, unwahr ist, denn das Gas von Nord Stream 1 und 2 geht zum aller größten Teil an andere Abnehmerländer als das Gas, das über die Ukraine nach Europa kommt. Die neue Pipeline Turk Stream, die russisches Gas über die Türkei nach Südeuropa bringt, hat hingegen das Potenzial, der ukrainischen Pipeline Konkurrenz zu machen.

In der Vergangenheit waren die südeuropäischen Länder immer wieder Geiseln im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine. Die Ukraine hat früher oft viele Monate ihre Rechnungen nicht bezahlt und wenn Russland die Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt hat, bis die Ukraine ihre Rechnungen begleicht, dann hat die Ukraine trotzdem Gas aus der Pipeline gepumpt, welches den südeuropäischen Ländern dann gefehlt hat. Die Ukraine hat im Januar 2010 den Gastransit sogar für einige Tage komplett eigestellt, was in Bulgarien zu Ausfällen der Heizung geführt hat. Die Chronologie der Gaskonflikte finden Sie hier.

Energiesicherheit für Südeuropa

Die südeuropäischen Länder haben also allen Grund, eine Alternative für die ukrainische Pipeline zu suchen. Nicht, weil sie die ukrainische Pipeline nicht mehr nutzen wollen, sondern schlicht, um aus der „Geiselhaft“ herauszukommen, in der sie sich alle paar Jahre wiederfinden, wenn Russland und die Ukraine neue Tranitverträge aushandeln.

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