Ein Symbol für rein gar nichts | Von Roberto De Lapuente | KenFM.de

ein-symbol-fur-rein-gar-nichts-|-von-roberto-de-lapuente-|-kenfm.de

08-07-21 09:53:00,

Dieser Artikel ist auch als kostenlose MP3 für Dich verfügbar!

Download MP3

Das wäre so ein tolles Zeichen gewesen, wenn man die Münchner Versicherungsarena in Regenbogenfarben ausgeleuchtet hätte. Nachdem die UEFA das verboten hatte, las man das allerorten. Zeichen: Nur darum geht es der Identitätspolitik.

Ein Kommentar von Roberto J. De Lapuente.

Nachdem der europäische Fußballverband politische Statements beim Vorrundenspiel zwischen Ungarn und Deutschland verboten hat, die Regenbogen-Ausleuchtung des Stadions abgelehnt wurde, formierte sich bei vielen Zeitgenossen der Trotz. Sie ließen wissen: Das Spiel gegen Ungarn werde dennoch ein Schaulaufen der Toleranz. Die Münchner Grünen schwenkten bei Twitter Regenbogenfahnen, der Stern färbte seine Website bunt und Markus Söder gab sich enttäuscht. Er erschien dann zum Spiel mit einer FFP2-Maske in Regenbogenoptik. Sein Generalsekretär Blume tat es ihm nach – letzterer sprach sich noch vor vier Jahren gegen die Ehe für alle aus, weil sie christliche Werte angreife.

Selten zuvor wurde das Spiel einer Nationalmannschaft so weltanschaulich aufgeladen, wie in jenem Spiel. Mit einiger Berechtigung könnte man behaupten, dass das zuletzt 1942 geschah – beim letzten Länderspiel des DFB in jenen dunklen Jahren. Es gab immer streitbare Spieler, aber dass man ein ganzes Team als Repräsentant einer Weltanschauung deklarierte: Das hat bei dieser Europameisterschaft eine ganz neue Dimension angenommen. Sie ist bei allen spielerischen Defiziten, trotz phantasielosen Kicks von der Stange, zu dem mutiert, was in Zeiten von Identitätspolitik zur Normalität wurde: Zu einem Symbol.

Symbole, Zeichen und Sinnbilder

Exemplarisch ist dafür jenes Foto, das vor dem Turnier das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Abgebildet sind sämtliche Spieler, wie sie vor einem Monitor posieren, auf dem Angela Merkel zu sehen ist. Alle tragen vorbildlich FFP2-Maske. Dass das kein Statement sein soll, ist kaum zu glauben in diesen Zeiten. Dahinter steckt politisches Kalkül, “die Mannschaft”, wie sie sich einige Jahre lang nannte, wird mit mehr aufgeladen als mit fußballerischen Attributen. Sie soll Identifikations- und Integrationsbeauftragte sein, den politischen Kurs jener Frau stützen, die sie ab und an bei großen Turnieren in der Kabine besucht.

Sie greift dabei auf Symbolik zurück, lässt ihren Kapitän eine Regenbogen-Kapitänsbinde tragen oder ein Torschütze formt mit den Fingern ein Herz.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: