Der vergessene Held | Von Nicolas Riedl | KenFM.de

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09-07-21 01:34:00,

Zum 50. Geburtstag von Julian Assange fanden weltweit Mahnwachen statt — doch unter den sonst so „woken“ Studenten scheint er vergessen zu sein.

Ein Standpunkt von Nicolas Riedl.

Die Organisatoren der Münchner Mahnwache errichteten das kleine Veranstaltungsset auf dem schattigen Professor-Huber-Platz vor der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) unter grellem Sonnenschein und in milder Sommerluft. Ein Wetter, welches Julian schon seit Jahren nicht mehr erleben durfte. Die Mahnwache bestand aus einer Plakat-Installation und einer improvisatorisch errichteten Kulisse, die eine Guantanamo-Zelle darstellen sollte. In ihr saß, in einen orangefarbenen Gefangenen-Overall gekleidet und mit einer schwarzen Stofftüte auf dem Kopf, ein Mann auf einem Stuhl. Eine regungslose Inszenierung, die eines der Verbrechen darstellen sollte, die durch Wikileaks-Journalist Assange aufgedeckt wurden.

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Die Mahnwache vor dem Gebäude der LMU München. Foto: Nicolas Riedl

Die etwa einstündige Mahnwache war dankenswerterweise kein Redenschwinger-Event. Drei Geigenspieler und -spielerinnen musizierten wunderschön und gedachten damit wortlos, aber vielsagend des Assange angetanen Unrechts. Die gesamte Inszenierung, im Besonderen die musikalische Darbietung, war durchgehend geschmack- und stilvoll. Davon könnten sich Querdenken und ähnliche Grundrechtsdemos eine Scheibe abschneiden; dort sind Schlagersongs keine Seltenheit.

Und apropos Querdenken und Co: Im Vergleich zu den eben genannten Demos war das Polizeiaufgebot bei dieser Veranstaltung — obwohl im Herzen der söder’schen Landeshauptstadt — minimal bis nicht existent. Lediglich wenige Minuten vor Veranstaltungsbeginn sah ein Streifenwagen nach dem Rechten und fuhr dann wieder weg. Es wurde nicht einmal der Maskenzwang kontrolliert.

Abseits der Mahnwache zeigte sich anhand der vorbeischlendernden Passanten, die meisten von ihnen Studenten, warum die sonst so rigide Exekutive Bayerns bei dieser Veranstaltung so leger unterwegs war. Während die Coronamaßnahmen-Kritikveranstaltungen an dem derzeit alles bestimmenden Narrativ kratzen und die Gefahr bergen, Menschen vom Corona-Kult abzubringen, verhielt es sich bei dieser Mahnwache gänzlich anders.

Kein Mensch wusste, worum es bei dieser Mahnwache ging!

Und wenn keiner weiß, worum es eigentlich geht, und das gute Wetter auch nicht dazu einlädt, länger am Veranstaltungsort zu verweilen, um sich tiefergehend damit zu beschäftigen, besteht für die Herrschenden auch keine sonderliche Gefahr. Doch verdient die peinliche Unwissenheit der — jungen — Passanten eine genauere Betrachtung.

Assange? Lasagne? Was ist dieses Assange?

Zu einer Aufführung gehören immer zwei.

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