Zukunft Agrarwende

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09-07-21 10:51:00,

Der Abschlussbericht war noch nicht veröffentlicht, da wussten die „Freien Bauern“[1] schon, was die Beteiligung ihrer Berufskollegen in der Zukunftskommission Landwirtschaft ZKL war: „Ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich engagiert haben.“ Es wird gestritten in der Landwirtschaft und über sie. Ab jetzt allerdings auf ganz neuer Grundlage, denn die von der Bundesregierung einberufene Zukunftskommission hat wirklich eine Vision vorgelegt. Von Florian Schwinn.

Gegründet wurde das Gremium nach einem „Agrargipfel“ mit vierzig Organisationen bei der Kanzlerin. Der war eine Reaktion auf die Bauernproteste 2019. So weit, so üblich in der Politik: Wir haben ein Problem, wir machen was: eine Arbeitsgruppe! Zwischen deren Verabredung und Einsetzung vergeht dann noch ein gutes halbes Jahr, weil die Landwirtschaftsministerin an politischer Prokrastination leidet, also an pathologischer Verdrängungssucht – und dann geht’s auch schon los. Umso erstaunlicher, dass sich die Kommission aus dreißig Vertreterinnen und Vertretern der unterschiedlichsten Interessen nach einem Jahr Detailarbeit wirklich auf ein gemeinsames Abschlussdokument einigen konnte.

Die Jugend legt vor

„Die Landwirtschaft trägt zum Umwelt-, Natur- und Tierschutz bei. Durch regenerative Landnutzung wird die Gesundheit der Menschen und Tiere sowie die Qualität des Wassers, der Böden und der Luft erhalten und verbessert.“ So steht das da in der „Gemeinsamen Vision zur Zukunft der Landwirtschaft“. Und jeder, der sich auf dem Land und in der Landwirtschaft auch nur etwas auskennt, weiß, dass das die 180-Grad-Wende ansagt. Wobei das nicht etwa meint, dass es zurück ginge, denn das, was diese Vision will, hat die Landwirtschaft noch nie gemacht. Das ist komplett neu.

Die Vision basiert auf der Zusammenarbeit der beiden jüngsten Kommissionsmitglieder. Kathrin Muus vom Bund der Deutschen Landjugend BDL und Myriam Rapior von der BUNDjugend hatten festgestellt, dass da „lauter alte Männer und Frauen über ihre Zukunft sprechen“. So jedenfalls erzählt es einer der Wissenschaftler in der Kommission, der Naturschutzprofessor Manfred Niekisch. In der Diskussion entwickelte sich dann die Idee – vorangetrieben von der Agrarökonomin Prof. Hiltrud Nieberg vom Thünen-Institut –, die beiden Jüngsten den Aufschlag machen zu lassen. Also setzten sich Myriam Rapior und Kathrin Muus zusammen und erstritten und erarbeiteten das gemeinsame „Zukunftsbild“. Aus dem stammt das visionäre Zitat. Und das hat am Ende die gesamte Kommission übernommen und zum Kern ihres Abschlussberichts gemacht.

„Das war wirklich erstaunlich“, sagt Biobauer Felix Prinz zu Löwenstein,

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