Ausgerottet – Die Weltnaturschutzkonferenz 2021 in Kunming

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10-07-21 01:39:00,

Schon mal was vom Verlust der natürlichen Biodiversität gehört, vom globalen Artensterben? Sicherlich. Es gibt ja kaum eine Sonntagsrede, in der nach dem Schlagwort Klima nicht ein kurzer Nebensatz zu dieser Tragödie folgt. Wie aber sieht es mit Kunming aus? Die Stadt des ewigen Frühlings, Hauptstadt der südchinesischen Provinz Yúnnán, ist Gastgeberin der 15. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD), die coronabedingt mit einem Jahr Verspätung vom 11. bis zum 24. Oktober 2021 stattfinden wird. Hand hoch, wer es gewusst hat! Während es in der deutschen Medienlandschaft von selbsternannten „Klimaschützern“ mittlerweile nur so wimmelt, findet die Berichterstattung über den globalen Naturschutz unter ferner liefen statt. Von Timm Koch.

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Die Art Mensch (Homo sapiens) gehört zu den wenigen Vertretern der irdischen Megafauna, deren Population (noch) nicht in irgendeiner Form vom Aussterben bedroht, sondern im Gegenteil weiterhin im Wachstum begriffen ist. Anders sieht die Situation beim Asiatischen Elefanten (Elephas maximus) aus, dessen Verbreitungsgebiet sich einst vom Osten des heutigen Chinas, quer über den indischen Subkontinent, bis nach Syrien erstreckte und heute nur noch mosaikhaft vorhanden ist. Während das Riesenland China etwa über eine Milliarde Vertreter der Art Mensch beherbergt, ist die Anzahl seiner Elefanten auf weniger als 250 Individuen zusammengeschmolzen.

Da menschliche Proteste von den chinesischen Behörden nicht gern gesehen werden (die Facebook-Seite von Extinction Rebellion China zählt gerade mal 133 Likes), haben es nun die Elefanten in die Hand genommen, auf den globalen Verschleiß der Biodiversität, von dem sie selbst massiv betroffen sind, aufmerksam zu machen. Eine Abordnung von fünfzehn Vertretern entkam aus dem Naturreservat Mengyang, machte sich auf einen mehr als 500 Kilometer langen Marsch nach Kunming und konnte sich regen Medieninteresses sicher sein. Als sie Anfang Juni die Außenbezirke von Kunming erreichten, hatten sie auf ihrem Weg angeblich Grünzeug im Wert von über einer Million Euro verputzt.

Die Wanderung der Elefanten macht einen wesentlichen Gesichtspunkt des Problems deutlich: Den Erhalt der Natur auf Schutzgebiete zu beschränken, ist ein sehr zweifelhafter Ansatz. Dieser wurde seinerzeit wohl nicht zufällig vom amerikanischen Agrarwissenschaftler und Friedensnobelpreisträger (1970) Norman Borlaug propagiert. Der Schöpfer von Hochertragsweizen gilt als Vater der sogenannten Grünen Revolution. Die einen sehen in ihm den Ernährer der Menschheit.

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