“Nie mehr schweigen, wenn Unrecht geschieht” – Zum Abschied von Esther Bejarano

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12-07-21 04:15:00,

Der Tod der mutigen und scharfen Kritikerin an alten und neuen Nazis sowie am Militarismus, Esther Bejarano, hat ein breites Medienecho hervorgerufen. Über viele Aspekte aus Bejaranos Leben wird aber nicht berichtet. Von Bernhard Trautvetter.

Die Tagesschau brachte Esther Bejaranos Plädoyer dafür, dass der 8. Mai als Tag der Befreiung der Menschheit vom NS-Regime ein Feiertag wird. Zitat des Nachrichtensprechers:

»Esther Bejaranos Stimme ist für immer verstummt. Jetzt müssen andere ihre Geschichte weiter erzählen. «[1]

Dies aber genau geschieht gemeinhin nur allzu ausschnitthaft, indem die schlimmste Zeit ihres Lebens von vielen anderen Erfahrungen getrennt und hervorgehoben wird. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb an die Familie:

»Mit ihrem Tod haben wir einen großen Verlust erlitten«. Sie habe am eigenen Leib erfahren, »was es heißt, diskriminiert, verfolgt und gefoltert zu werden … Wir verlieren mit ihr eine mutige Persönlichkeit, die sich bis zuletzt für die Verfolgten des Naziregimes eingesetzt hat.«

Ähnlich klingt Bundesaußenminister Heiko Maas auf Twitter:

»Die wundervolle Esther Bejarano überzeugte mit ihrer Lebenskraft und unglaublichen Geschichte…Ihre Stimme wird uns fehlen.«[2]

Exemplarisch für die Berichterstattung zu Esther Bejaranos Leben sei hier die Deutsche Welle zitiert:

“1924 als Tochter des Oberkantors der jüdischen Gemeinde in Saarlouis geboren, musste Esther – damals noch mit Nachnamen Loewy – als Kind erleben, wie die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen und ihr ganzes Leben veränderten.“

„Von 16 Jahren an bis 20, eigentlich die schönste Jugendzeit. Was haben wir für eine Jugend gehabt? Gar keine. Eine schlimme Jugend“, erzählte sie der DW. Schikane in der Schule, Trennung von den Eltern, drei Konzentrationslager und ein Todesmarsch – all das musste Esther Bejarano erleben. Glück, Geschicklichkeit und Mut führten sie ins Mädchenorchester Auschwitz und damit zur Chance auf ihr Überleben; dazu die Deutsche Welle:

Die Mädchen mussten spielen, ‚wenn die Häftlinge aus dem Lager zum Arbeitsdienst marschierten und wenn neue Transporte mit Zügen … eintrafen‘. ‚Du wusstest, die gehen jetzt ins Gas und du musst da stehen und musst spielen‘, erzählte Esther Bejarano 2014 der DW. Dies sei das schlimmste gewesen, dass sie in Auschwitz erlebt habe. Trotz dieser grausamen Erfahrung, wie Musik von den Nazis missbraucht werden konnte, blieb für Esther Bejarano ihr Leben lang die Schönheit der Musik bestehen.”[3]

Interessant ist bei alledem,

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