Kranke Normalität: Die Manipulationskultur der Tagesschau

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13-07-21 11:20:00,

Bislang vermutete ich Verschwörungen gegen meine Person lediglich in den Gängen des Finanzamtes. Seit der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau neulich bin ich indes eines Besseren belehrt: Die Manipulation des täglichen Lebens durch so genannte öffentlich-rechtliche Medien geht weiter, als ich dachte. Und dies auf eine subtile Art. Was hier zur Debatte steht, sind nicht so genannte Fake News, sondern eine Fake Culture, die unser Verhältnis zur Realität nachhaltig umwertet und pervertiert. Von Raimund Allebrand[*].

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Da berichtet die Moderatorin mit freudiger Miene, dass es einem Multimilliardär nach fünfzehnjähriger Vorarbeit endlich gelungen sei, einige Minuten mit seinem privaten Raumschiff im All zu verbringen. Daneben wird aus dem Raum das verzerrte, aber verzückte Gesicht des Engländers Richard Branson eingespielt, der sich auf diese Weise einen Lebenstraum erfüllt und seine Rivalen Jeff Bezos und Elon Musk im Wettlauf um die kommerzielle Nutzung des Weltalls abgehängt hat. Zudem teilt die Moderatorin mit, dass bereits über 300 Millionäre auf der Warteliste für künftige Raumflüge stehen und zu diesem Zweck jeweils mehr als zweihunderttausend Euro Anzahlung hingeblättert haben.

Mit dieser 40-sekündigen Einspielung wird mir nicht allein zugemutet, die narzisstischen Eskapaden eines Milliardärs beifällig zu goutieren. Gleichzeitig segnet der Sender mit größter Selbstverständlichkeit eine Gesellschaftsordnung ab, die steuerflüchtige Magnaten statt ins Gefängnis ins Weltall befördert und dazu einlädt, eine illustre Warteschlange für absurde Luxusaktionen zu bevölkern. Schon bei der jüngsten Erkundung des Planeten Mars wurde im Feuilleton sorgsam die Frage vermieden, was die Menschheit dort eigentlich verloren hat.

Erstmals wird mir bewusst, dass mit der scheinbar objektiven Darstellung durch unsere Großmedien eine Manipulation daherkommt, die vom Presserecht nicht sanktioniert werden kann, denn es handelt sich dabei um nicht weniger als die Pathologie der Normalität: Unter Einhaltung sämtlicher journalistischer Kriterien wird uns eine kranke Kultur als normal verkauft. Wohlgemerkt geht es hier nicht um Satire, Kabarett oder Dadaismus, sondern um Hauptnachrichten im deutschen Fernsehen, also um einen sakrosankten Bereich bundesrepublikanischer Informationskultur.

Dieser mein Gedankengang wird während der nämlichen Tagesschau von Reporterin Hanni Hüsch unterbrochen, die in London gut gelaunt und beifällig vor einer johlenden Menschenmenge den baldigen Anpfiff zum Endspiel der Europa-Fussballmeisterschaft verkündet. Dass in Zeiten sprunghaft steigender epidemischer Inzidenzen von einem gewissenlos populistischen Ministerpräsidenten im Verein mit einem mafiösen Unterhaltungskonzern namens UEFA sechzigtausend Fans auf engem Raum der gegenseitigen Ansteckung preisgegeben werden – der Reporterin der Tagesschau ist dies Anlass zu freudiger Erwartung eines bald über uns hereinbrechenden unverzichtbaren Ereignisses,

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