Die Globalismus-Erfinder | Von Richard Poe | KenFM.de

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14-07-21 02:18:00,

„Weltföderation“

Vor dem Hintergrund sich ausweitender britischer Macht im 19. Jahrhundert schien eine globale Vorherrschaft unausweichlich. Die Verwalter des Imperiums schmiedeten Pläne für eine unter britischer Herrschaft vereinte Welt. Der Schlüssel zu ihrer Realisierung lag in der Vereinigung eigener Kräfte mit denen der Vereinigten Staaten, ganz so, wie Orwell es in seinem Roman beschrieb. Viele Anglophile in den USA waren begierig darauf, sich diesem Plan anzuschließen.

„Wir sind ein Teil, und zwar ein großer Teil, des größeren Britanniens, das so offenkundig dazu bestimmt zu sein scheint, diesen Planeten zu beherrschen …“,

begeisterte sich die New York Times 1897 im Zuge der Festivitäten zu Königin Victorias Diamantjubiläum.

1842 schrieb Alfred Tennyson — der schon bald zu Königin Victorias lorbeerbekränztem Hofpoeten wurde — das Gedicht „Locksley Hall“. Es entwarf die Vision eines goldenen Zeitalters des Friedens unter „universellem Recht“, eines „Menschenparlaments“ und einer „Weltföderation“.

In Tennysons Worten zeichneten sich bereits der Völkerbund und die UN ab. Doch Tennyson war nicht der Erfinder dieser Konzepte. Er feierte nur Pläne, die unter britischen Eliten bereits kursierten. Generationen britischer Globalisten haben Tennysons Gedicht verehrt, als sei es die Heilige Schrift. Winston Churchill pries es 1931 als „die wundervollste aller modernen Prophezeiungen“. Er bezeichnete den Völkerbund als die Erfüllung der Vision Tennysons.

Liberaler Imperialismus

Ein anderer britischer Führer, den Tennysons Gedicht beeinflusste, war der Philosoph John Ruskin. In seiner ersten Vorlesung 1870 in Oxford begeisterte Ruskin die Studenten, indem er erklärte, es sei Großbritanniens Schicksal, zu „regieren oder zu sterben“ — die Welt zu beherrschen oder durch andere beherrscht zu werden. Mit diesen Worten hob Ruskin eine Doktrin aus der Taufe, die bald als „liberaler Imperialismus“ bekannt werden sollte — die Vorstellung, dass „liberale“ Länder barbarische erobern sollten, um „liberale“ Werte zu verbreiten.

Ein besserer Name wäre wohl „sozialistischer Imperialismus“, da die meisten Menschen, die dieses Konzept propagierten, tatsächlich Sozialisten waren.

Ruskin bezeichnete sich selbst als Kommunisten, noch ehe Marx „Das Kapital“ fertiggestellt hatte. Aus Ruskins Perspektive war das British Empire das perfekte Vehikel, um den Sozialismus zu verbreiten. Ruskins Sozialismus verband sich in seltsamer Weise mit seinem Elitismus. Er rühmte die Überlegenheit der nördlichen Rassen, worunter er die Normannen, Kelten und Angelsachsen, die England bildeten, meinte. Er betrachtete die Aristokratie — nicht die einfachen Menschen — als Verkörperung britischer Tugend.

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