Lasst die Milliardäre im Weltraum

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16-07-21 11:04:00,

Am 7. Juni kündigte Jeff Bezos an, er würde am 20. Juli in den Weltraum fliegen – nur 15 Tage nach seinem Ausscheiden als CEO von Amazon. Dargestellt wurde dieses Unterfangen als kühner nächster Schritt im milliardenschweren und seit Jahren an Fahrt aufnehmenden Wettlauf ins All. Doch es dauerte nicht lange, bis sich der wahre Charakter dieses Wettstreits offenbarte: Kurz nachdem sich Bezos auf einen Termin festgelegt hatte, beschloss der Chef von Virgin Galactic, Richard Branson – ein Mann, der für seine Marketing-Stunts bekannt ist –, dass er versuchen würde, den reichsten Mann der Welt im Orbit zu schlagen. Also setzte er seinen eigenen Weltraumflug für den 11. Juli an.

Während diese Milliardäre zu den Sternen blicken und die Medien sie mit den gewünschten Schlagzeilen überhäufen, verdichten sich die Hinweise darauf, dass sich das Klima unseres Planeten rasch in einer Weise verändert, die lebensfeindlich ist – sowohl für uns Menschen als auch für andere Spezies.

Ende Juni herrschten in Jacobabad, einer Stadt in Pakistan mit einer Bevölkerung von 200.000 Menschen, sogenannte »Feuchtkugel«-Bedingungen, bei denen ein Zusammenspiel von hoher Luftfeuchtigkeit und sengenden Temperaturen dazu führt, dass sich der menschliche Körper nicht mehr eigenständig abkühlen kann. Eine halbe Welt entfernt, an der Westküste Nordamerikas, ließ derweil ein »Hitzekuppel« genanntes Wetterphänomen die Temperaturen so stark ansteigen, dass die Stadt Lytton in British Columbia mit 49,6 Grad den bisherigen kanadischen Temperaturrekord um 4,6 Grad übertraf – und dann bis auf die Grundmauern niederbrannte, als sich ein Lauffeuer durch die Stadt fraß.

Das Buch der linken Star-Ökonomin
Grace Blakeley auf Deutsch.

Der Kotrast zwischen diesen beiden Geschichten ist frappierend: Auf der einen Seite liefern sich Milliardäre einen Schwanzvergleich, wer als erster die Erdatmosphäre hinter sich lassen kann. Und auf der anderen Seite haben Milliarden von uns, die wir nie eine solche Reise unternehmen werden, zunehmend mit den Folgen davon zu kämpfen, wie sich der Kapitalismus auf das Klima auswirkt – und mit dem Erbe der jahrzehntelangen Bemühungen seiner mächtigsten Anhänger, sämtliche Maßnahmen zur Eindämmung dieser Krise zu unterdrücken.

In einem Moment, in dem wir alles daran setzen sollten, dass unser Planet bewohnbar bleibt, bieten uns diese Milliardäre ein Spektakel, um uns von ihrem Streben nach immer weiterer kapitalistischer Akkumulation sowie von deren katastrophalen Auswirkungen im Hier und Jetzt abzulenken.

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