Pandemie-Spiele für Plutokraten

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16-07-21 10:41:00,

Regierungen und Reiche profitieren von der Corona-Krise. Sie haben mehr Macht und Geld, predigen Moral, aber sie lösen die Krise nicht. Im Gegenteil: Corona stellt den sozialen Sprengsatz scharf, der die Spaltung der Gesellschaft durch Verschuldung, Ausgrenzung und Verteilungskonflikte um Impfstoff weiter vorantreibt. Hans-Christian Lange, Ex-Kanzleramtsberater und BMW-Manager, der 2016 mit SOCIAL PEACE die erste Band- und Leiharbeitergewerkschaft gründete und mit Sahra Wagenknecht die Protestbewegung AUFSTEHEN initiierte, sagt den Macht- und Geldeliten in seinem neuen Buch An ihren Taten sollt ihr sie erkennen den Kampf an. Er fordert ein „Bündnis der Betrogenen“, eine Bewegung von unten mit neuen Werten, neuen öko-sozialen Zielen und einem neuen Gemeinsinn. Ein Auszug.

Bei genauer Betrachtung fällt die gesellschaftspolitische Bilanz der Corona-Krise im Herbst 2020 ähnlich aus wie diejenige des größten Finanzcrashs seit dem Zweiten Weltkrieg, desjenigen von 2008/09: Damals waren bestinformierte Kreise der Wallstreet und der globalen Investoren und Spekulanten darauf vorbereitet beziehungsweise reagierten blitzschnell und sicherten sich so teilweise tollste Gewinne – während sonstige Unternehmen und Anleger als Verlierer nach Hause gingen. Und genau das macht erneut den entscheidenden Unterschied aus zwischen dem allerobersten Prozent der Gesellschaft – und den restlichen 99 Prozent. Die Geldeliten schützen sich nicht nur perfekt, den cleversten und potentesten unter ihnen gelingt es sogar, Vorteile aus Katastrophen zu ziehen.

Bereits 2008 sammelten einige von ihnen traumhafte Profite mit Hilfe des sogenannten schwarzen Schwans – damals in Gestalt des Immobilien-Crashs. Für die wenigen Bestinformierten galt auch Covid-19 als »schwarzer Schwan«, den sie auf dem Radar hatten. Was bedeutet ein solches Phänomen?

Ein Kenner und ausgebuffter Krisenprofiteur ist Nassim Nicholas Taleb, ein Ex-Hedgefondsmanager, heute Wissenschaftler, Philosoph und Publizist. Er hatte bereits die Finanzkrise treffend vorausgesagt. Er warnt seine Fans und Luxus-Netzwerke schon im Januar 2020, dass die globale ökonomische Verflechtung ein Allzeithoch erreicht habe. Als Covid-19 in China auftaucht, stellt Talib sofort klar, dass die Seuche demnach kein schwarzer Schwan, sondern eine Folge der überzogenen globalen wirtschaftlichen Verflechtung ist. Das hat »zwangsläufig die Gefahr für Pandemien dramatisch erhöht. Das wiederum mache den Mangel an Vorsorge unentschuldbar«, lautet seine treffende Conclusio.

Insgesamt verfügt die Geldelite über überlegene Frühwarnsysteme und vor allem über materielle Reserven, die sie retten – also die nötigen Millionen- und Milliardenpuffer, um weiter mitzuspielen. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge sagt voraus, dass der »obere Teil der Mittelschicht und die Oberschicht am Ende die Krisengewinner« sein werden.

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