Abzug der USA: Afghanistan war auch Labor für Neuentwicklung von Waffen

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18-07-21 07:56:00,

Der chaotische Rückzug der USA vom Luftwaffenstützpunkt Bagram zeigt, es gab nie einen klaren Plan für Afghanistan. Nach zwei Jahrzehnten Besatzung ohne greifbare Ergebnisse im Sinne globalen Friedens flohen die letzten US-Truppen wie Diebe in der Nacht. Für die Waffenindustrie scheint sich der Einsatz allerdings gelohnt zu haben.

von Bradley Blankenship

Die USA verließen den Flugplatz nach fast 20 Jahren. Sie stellten  zunächst noch den Strom ab und flogen dann in die Dunkelheit – ohne den neuen afghanischen Kommandanten der Basis zu benachrichtigen. Der erfuhr vom Abflug der US-Amerikaner erst zufällig mehr als zwei Stunden später. So berichtete es die Nachrichtenagentur Associated Press unter Berufung auf afghanische Militärkreise.

Lawrow: US-Mission in Afghanistan ist

Die US-Streitkräfte hinterließen rund 3,5 Millionen einzelne Gegenstände: Von Wasserflaschen über Telefone bis hin zu zivilen Fahrzeugen, von denen viele allerdings keine Zündschlüssel an Bord hatten. Berichten zufolge gingen die Lichter auf dem Areal abrupt aus, und es waren weit und breit keine Wachen mehr zu sehen – was von einer Heerschar von Plünderern als Signal betrachtet wurde, in die nunmehr verlassene Basis einzudringen. Anderen Berichten zufolge sitzen auf dem Areal des Flugplatzes Bagram noch etwa 5.000 Gefangene in Haft – viele von ihnen mutmaßliche Taliban-Aktivisten.

Nach fast zwei Jahrzehnten Besatzung ohne klare militärische Ziele zeigt dieser planlose Rückzug vom Hauptstützpunkt, von dem aus viele US-amerikanische und NATO-Operationen in Afghanistan starteten, dass die US-geführte Koalition nie einen klaren Plan für das Land hatte. Gleiches könnte man von vielen anderen Ländern sagen, die von westlichen Streitkräften besetzt sind.

Dies wird jedoch viele nicht überraschen. Tatsächlich brachte der Stabschef des ehemaligen Außenministers Colin Powell, Colonel Larry Wilkerson, der zum Zeitpunkt der Invasion Afghanistans an vielen Entscheidungen des Militärs beteiligt war, dieses Fehlen einer strategischen Linie in einer Rede im Jahr 2018 perfekt auf den Punkt.

Er argumentierte, dass die USA trotz gewisser strategischer Überlegungen im Pentagon keine wirklich klare Strategie in Afghanistan hätten. Eines der Beispiele dafür, die Wilkerson anführte, wäre eine Aufrechterhaltung einer Präsenz in Afghanistan, um das US-Militär für ein Eingreifen in Pakistan sprungbereit zu halten, sollte einmal die Bedrohung entstehen, dass dessen Nukleararsenal in die Hände von Militanten fallen sollte. Oder um Afghanistan als Operationsbasis gegen Chinas Projekt der neuen Seidenstraße, der Belt and Road Initiative, zu nutzen, um dem so auch militärisch Steine in den Weg zu legen.

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