Die neue Widerstandskultur

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19-07-21 09:50:00,

„Wir müssen ganz klar sagen: Die Musikbranche oder überhaupt die Kulturbranche hat in dieser Zeit komplett versagt.“ Alex Olivari hat die Nase voll. Der Songwriter und professionelle Musiker war lange in der Begleitband von Matthias Reim unterwegs gewesen. Bis ihn dessen Management gnadenlos und sehr plötzlich schasste. Der Grund: Olivari hatte ein paar kritische Lieder zum Corona-Thema aufgenommen, allen voran „Deutschland, zeig dein Gesicht“.

Der Künstler hat „wenig Hoffnung“, dass die gesettelten Altstars der Szene noch irgendetwas bewegen werden. So lässt er in einem Interviewvideo durchblicken: „Dann hätten sie’s schon längst machen müssen. Nach einem Jahr ist der Zug abgefahren. (…) Da ist eine große Enttäuschung in der Musik hörenden Bevölkerung da.“ Und worin liegt es? „Die Künstler, von denen man das jetzt erwarten könnte, haben an dem Zwangsjackett der Political Correctness jahrzehntelang gestrickt. Ich glaube, dass die selber ihren Teil dazu beigetragen haben, dass der Meinungskorridor so eng ist.“

Das Schweigen der meisten Künstler und Intellektuellen zu Corona bleibt ein Phänomen. Die Zeit hat diese klaffende Wunde der derzeitigen Kulturszene nur sehr bedingt heilen können. Die Reaktionen des Mainstreams auf die Schauspieler-Aktion #Allesdichtmachen hat das Feuer des Widerstands ausgetreten, bevor es sich zum Flächenbrand ausweiten konnte. Ab und zu wagt sich — wie Til Schweiger — jemand aus der Deckung, bekommt aufs Maul und verschwindet dann wieder in der Versenkung. Immer wieder stoße ich zwar bei meinen Recherchen auf gute Widerstandsvideos fachlicher wie auch musikalischer Art, aber sie bleiben eher im kleinen Rahmen, bleiben Nische.

Die „Großen“ halten sich noch immer an der gedanklichen Hilfskonstruktion fest, ihr Einknicken vor dem globalen Gesundheitstotalitarismus sei Antifaschismus. Vielleicht, weil sie vom Fernsehsessel aus beobachtet haben wollen oder in der Zeitung gelesen haben, dass sich unter den Grundrechtsdemonstranten Reichskriegsflaggenträger befanden. Nichtteilnehmer belehren die Teilnehmer solcher Demos nur allzu gern darüber, wie es dort zugeht. Auch große, zuvor sehr weit ausgreifende Geister nehmen Zuflucht zum Unterkomplexen, beten selbst die durchschaubarsten Phrasen der etablierten Politik nach: „Ich schütze mich und andere“ und „Ich demonstriere nicht mit Nazis“.

Nicht ihr Antifaschismus, also der Kampf gegen wirkliche Rechtsextreme, ist den Akteuren ja vorzuwerfen, sondern der Mangel an Antifaschismus, wenn es um die schon weit fortgeschrittenen Anfänge eines totalitären Staatsautoritarismus geht. Nach der Logik etablierter, links-grün sozialisierter Künstler ist jemand offenbar umso antifaschistischer, je duldsamer er sich gegenüber diesem Autoritarismus verhält.

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