Just like me

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19-07-21 09:51:00,

Beim Aufstehen geht es los. Radio an. Die Welt ist nicht in Ordnung. Zeitung auf. Noch schlimmer. Überall sind Menschen dabei, sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Auf allen Kanälen wird sich widersprochen, gestritten, beleidigt, gespalten. Einigung ist nicht in Sicht. Der Kaffee schmeckt schal und das Gesicht des Partners ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Das fängt ja gut an.

So geht der Tag weiter. Wo wir auch hinsehen: Wir nehmen uns die Vorfahrt, drängeln uns vor und nehmen uns den Platz weg. Wir sind Wölfe, Virenschleudern, zu viele auf diesem Planeten. Das ist heute eine gängige Meinung. So viele wie uns erträgt die Erde nicht. Kaum jemand kommt auf die Idee, dass es hier nicht an der Quantität liegt, sondern an der Qualität unserer Lebensweise. Es ist so, also dächten wir, dass etwa ein Baum zu viele Blätter hat, zu viele Wassertropfen im Meer schwimmen oder zu viele Sterne am Himmel leuchten.

Was da für ein Gedränge ist! Das liegt allerdings nicht an den Sternen, als vielmehr an dem Müll, den wir in den Weltraum schicken. Indem wir überall unsere Finger mit im Spiel haben, die Natur dominieren und das Leben beherrschen wollen, haben wir alles durcheinandergebracht. Wo wir auch hinschauen, gibt es entweder zu viel oder zu wenig. Wir bekommen es einfach nicht hin, Maß zu halten. Ständig fehlt uns etwas oder wird uns etwas zu viel. Je mehr wir versuchen, die Dinge in den Griff zu bekommen, desto schlimmer wird es.

Schuld daran sind in aller Regel die anderen. Wir selbst machen selten etwas verkehrt. Wir können, dürfen oder sollen nicht anders, auch wenn wir es doch so sehr wollen. Immer steht uns jemand anderes im Weg, der uns daran hindert, so zu leben, wie wir es möchten. Wir würden das nicht tun. Wir würden niemandem Leid zufügen oder anderen schaden. Zumindest nicht bewusst. Doch da unser Bewusstsein meistens außer Haus ist — zu beschäftigt mit den Fehlern der anderen, mit dem, was mal war und dem, was mal sein könnte — nehmen wir gar nicht wahr, was wir selbst gerade uns und anderen antun.

Sicher würde kaum jemand, der mit rundem Bauch über Bevölkerungsreduktion fachsimpelt, auf die Idee kommen, er selbst sei zu viel. Kaum einer, der salopp derlei von sich gibt, dürfte bereit sein,

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