Kinder in der Pandemie: „Instrumentalisierung pur!“

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20-07-21 03:23:00,

„Wir brauchen ein Aufholpaket für die versäumte Sozial-, Familien- und Bildungspolitik.“ Das sagt der (Kinder-)Politikwissenschaftler Michael Klundt in einem zweiteiligen Interview mit den NachDenkSeiten. Am Umgang der Weichensteller mit den Kindern, Jugendlichen und Familien in der Pandemie lässt Klundt kein gutes Haar. „Die nun etwa für Hessens Schulkinder geplanten ‚Lern-Camps‘ während der Ferien wären wahrscheinlich genau der richtige Ort für die Mitglieder des Bundeskabinetts und der Landesregierungen, um ihre jahrelangen Versäumnisse im Bildungsbereich aufzuarbeiten“, sagt Klundt. Von Marcus Klöckner.

Herr Klundt, bei unserem letzten Interview im Dezember sagten Sie, dass die Kinder und Jugendlichen am stärksten von den Corona-Maßnahmen betroffen sind. Mittlerweile gab es Berichte sowohl aus Österreich als auch aus Deutschland, wonach es in den Kinder- und Jugendpsychiatrien zu einer regelrechten „Triage“ komme. Jakob Maske, der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sagte im Mai: „Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und ‘nur’ eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen.“
Sehen Sie sich in Ihrer Einschätzung bestärkt?

Leider ja. Und viele Medien tragen daran eine Mitschuld. Soweit ich das mitbekommen habe, ist praktisch keines der meinungsbildenden, etablierten Medien auf die Anhörung der Kinderkommission des Deutschen Bundestages im September 2020 eingegangen. Die psychosozialen Folgen der Corona-Maßnahmen für Kinder blieben monatelang weitgehend unbeachtet. Die vielen besorgniserregenden Probleme waren schon damals zu sehen. Die Kinderrechts-Expertin Claudia Kittel vom Deutschen Institut für Menschenrechte und ich haben im Bundestag darauf aufmerksam gemacht.

Zögerlich haben Medien dann irgendwann aber doch berichtet.

Es dauerte noch fast ein halbes Jahr. Erst im Frühjahr dieses Jahres haben Medien großflächig das Leiden der Kinder in den Blick genommen. Allerdings gilt es, auch daran Kritik zu üben.

Inwiefern?

Die Berichterstattung war verbunden mit der als Versprechen getarnten Erpressung, die Kinderrechte auf Bildung zurückzuerhalten, wenn die Kinder geimpft sind. Und kaum ein Medium hat sich damit wirklich selbstkritisch auseinandergesetzt – mit einer Ausnahme: Ausgerechnet Julian Reichelt in der BILD hat nach vielen Jahren ressentiment-geleiteter und hasserfüllter Beiträge tatsächlich einmal weitgehend den richtigen Ton getroffen.

Der Chefredakteur der Bild-Zeitung, Julian Reichelt, hat sich bei den Kindern entschuldigt und dabei auch die Berichterstattung der Medien kritisiert?

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