Traurige Goldene Stadt

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20-07-21 03:19:00,

Bei einem Prag-Besuch vor dem erneuten Inkrafttreten von Verschärfungen offenbarten sich deren Folgen, es bereitete wenig Freude, keine Leichtigkeit war zu spüren, außer vielleicht in den schönen Parks der schönen Metropole an der Moldau. Wo soll das noch hinführen, in Tschechien wie bei uns und anderswo, wo so agiert wird, dass einem angst und bange wird? Von Frank Blenz.

In Prag (und anderswo in Tschechien) ist dieses Jahr kein schönes Sommergefühl zu erleben. Der Corona-Pandemie-Mutationen-Modus herrscht, die Verantwortlichen, die Medien, Mitmachende aus der Bürgerschaft bis hin zur Verkäuferin im Feinkostladen (Setzen Sie ihre Maske richtig auf!) halten bis heute eisern die Spannung hoch oder die Zügel straff (von wegen Lockerung), obwohl die Lage keineswegs dramatisch ist. Die Regierung von Andrej Babiš und ihre Botschafter schlechter Nachrichten leisten ganze Arbeit. Arbeiten für einen Neuanfang, für eine Entspannung, für eine Differenzierung leisten sie nichts.

Die Stadt fühlt sich teilweise geradezu menschenleer an. Mit dem Auto über die Brücken fahren ist wie über Land fahren, nur wenige Fahrzeuge sind unterwegs. Die Freisitze der Gastronomie an den Ufern der Moldau sind zahlreich und – meist leer. Reisebusse – Fehlanzeige. Der Wenzelsplatz, das Herzzentrum Tschechiens, bietet einen traurigen Anblick. Wenigstens das Geschehen in der Altstadt mit der berühmten Karlsbrücke und der Burg vermittelt einen einigermaßen vitalen Eindruck. In den Einkaufsmalls herrscht mehr Leben, mit Mund-Nasen-Schutz, man muss wissen, Tschechen gehen gern Einkaufen. Und Freiluftkonzerte stehen tatsächlich auf dem Programm, indes ohne ausländische Bands.

Der Gang durch die Stadt offenbart: Handel und Wandel, Gastronomie, Kultur, Hotellerie – alle gehen sie mehr und mehr in die Knie. Zwar wird gekämpft und gehofft und geöffnet und mit vielerlei Aktivitäten ein Neuanfang versucht. Die Wahrheit ist aber eher die wie im Artikel des deutsch-tschechischen Blattes Landesecho, in welchem steht, dass die Prager Hotels am Rande des Zusammenbruchs stünden.

In der Tat: Viele Hoteleingänge sehen aus, als würden dort keine Gäste mehr einchecken, dunkle Fensteraugen schauen den Passanten an. Mitten im Zentrum beräumen Bauarbeiter das Innere nicht weniger Hotels, die geschlossen wurden für immer oder tapfer vonseiten der Eigentümer chic für eine Zeit nach Corona gemacht werden. Die Hotels, die (noch) offen haben, bieten ihre Appartements überaus preiswert, offen gesagt: billig, an.

Derweil machen nicht alle Prager den Angst-Modus-Alltag mit.

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