Vom NSU-VS- bis zum Amri-Komplex – Interview mit Thomas Moser

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22-07-21 10:49:00,

Ich bin Thomas Moser im Zusammenhang mit den NSU-Recherchen ab 2012 begegnet. Er hatte sich sehr stark in die Mordumstände in Heilbronn 2007 hineingekniet. Am Rande eines großen Festplatzes, quasi unter den Augen von Ausstellern, wurde um die Mittagszeit ein Mordanschlag auf Polizisten verübt, für den die neonazistische Terrorgruppe „NSU“ verantwortlich gemacht wurde. Dabei ist Thomas Moser u.a. auf eine ganz wertvolle Spur gestoßen: Auf insgesamt vierzehn Phantombilder, die Zeugen erstellt hatten, die sich zur Tatzeit auf dem Festplatz aufgehalten hatten. Für jeden Fahnder ein Traum und ein großes Glück. Doch dann passierte das völlig Unerwartete: Nichts. Anstatt mit diesen Phantombildern zu fahnden, wurde diese wertvollen Hinweise „vergraben“. Thomas Moser hatte sie ausgegraben, veröffentlicht und damit einen ganz wesentlichen Grund an die Öffentlichkeit gebracht, der dem offiziellen Ermittlungsergebnis widerspricht: Alle Phantombilder haben nicht das Geringste mit den beiden NSU-Mitgliedern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gemein, die zusammen den Mordanschlag verübt haben sollen. Von Wolf Wetzel.

Auch damals hat dieser „verlorene“ Schatz in der Presse vor allem Stillschweigen und betretenes Schweigen ausgelöst. Fast zehn Jahre später stößt Thomas Moser im Fall Amri auf dasselbe Desinteresse, was erhebliche Widersprüche anbelangt, die die offizielle Version unglaubwürdig machen.

„Ich bin selber Pressevertreter und will jetzt keine uferlose Schelte begehen, aber die Art und Weise, wie Kollegen und ich berichtet haben, war doch sehr unterschiedlich. Wir saßen in derselben Sitzung wie in der vom März 2020, als die Tatortermittler über ihre Arbeit im LKW berichtet haben. Da kam heraus, dass es von Amri im Führerhaus des Lastwagens keine Fingerabdrücke und belastbaren DNA-Spuren gab. Das fand ich hoch elektrisierend, aber es wurde von niemandem berichtet, obwohl Kollegen in dieser Sitzung saßen und hätten berichten können.“

Über seine lange und ausdauernde Arbeit zum Amri-Komplex hat er ein Buch geschrieben: „Der Amri-Komplex. Ein Terroranschlag, zwölf Tote und die Verstrickungen des Staates.“ Was am Amri-Komplex neu und anders ist, was daran Zufall, was daran systemisch ist und warum diese Wiederholungen erwünscht sind, ist Gegenstand dieses Interviews.

Bitte nennen Sie uns die Kernpunkte der offiziellen Erzählung zum Anschlag vom Breitscheidplatz in Berlin vom 19. Dezember 2016?

Die Rahmenerzählung ist, Deutschland sei von einem Meer von Flüchtlingen geflutet worden, alle Stellen seien überfordert gewesen, kompletter Kontrollverlust darüber, wer in der Deutschland-WG wohnt und sich aufhält.

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